Fahrradfrühling: Rad ab?

Radspezial

Ein neues Rad, Wartungen, Reparaturen – das kann ins Geld gehen. Was tun, wenn es mal nicht rund läuft und man knapp bei Kasse ist? Sebastian Hoffhat sich nach günstigen Angeboten umgeschaut.

Radler kennen das zu genüge: Mit einem langgezogenen „Ssssst“ entweicht die Luft aus dem Reifen, weil man damit über eine der zahlreichen Glasscherben auf den Radwegen gerollt ist. Oder das Licht flackert erst und versagt dann ganz seinen Dienst. Und irgendetwas knarzt oder schleift doch eigentlich immer am Rad. Bei kleineren Pannen oder Defekten kann man sich vielleicht noch selber helfen. Manchmal fehlt aber auch dafür das nötige Werkzeug – oder die Lust dazu. Und bei den meisten Reparaturen sind Laien ohnehin überfordert. Wenn das eigene Rad mal wieder nicht rund läuft, hilft deshalb oft nur der Gang in die Werkstatt.
Einen besonders günstigen Service für Studierende bieten die Fahrradwerkstätten in der Glocksee, von Pro Beruf und der Arbeits- und Sozialberatungsgesellschaft Ahlem. Letztgenannte führen kostenlose Reparaturen durch – lediglich das Material muss bezahlt werden. Außerdem können für die Zeit der Reparatur Leihräder günstig gemietet werden. In der Fahrradwerkstatt Glocksee lautet das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe. Das Werkzeug kann kostenlos genutzt werden und eine fachkundige Person steht mit Rat und Tat zur Seite. Möglich machen diese Angebote der sogenannte „Fahrradbonus“, der von den ASTen der Hochschulen Hannovers als Teil des Semesterbeitrags erhoben wird.
Wer es eilig hat oder sein Rad dringend benötigt und nicht auf einen Termin warten möchte, kann das Fahrradcafé in der Nordstadt aufsuchen. „Reparaturen wie Reifen flicken, Licht herrichten oder die Kette auswechseln erledigen wir sofort“, erklärt Inhaber Florian Schubert. Währenddessen können die Kunden in Ruhe einen Kaffee trinken und sogar einen Blick auf den Fortgang der Arbeiten in der Werkstatt werfen. „Wir arbeiten extrem schnell und sind vergleichsweise günstig“, so Schubert. Aufwändige Reparaturen dauern aber auch im Fahrradcafé etwas länger. Die Zweiradmechaniker bauen außerdem auf Wunsch aus verschiedenen Komponenten individuelle Räder zusammen – Lastenräder gehören ebenfalls zu ihrem Repertoire. Unterwegs eine Panne? Oder keine Möglichkeit, das Fahrrad zur Werkstatt zu bringen? Auch dafür gibt es eine Lösung: Die Mobile Fahrradwerkstatt von Wolfgang Schwetje kommt in Hannover und der Region zum Kunden. „Ich biete zwar einen Pannenservice, bin aber nicht der ADAC“, betont er allerdings. Lieber ist es ihm, wenn ein Termin vereinbart wird. Werkzeug und Ersatzteile hat er in seinem Transporter dabei. „In etwa 70 Prozent aller Fälle bekomme ich das Fahrrad vor Ort wieder so hin, dass man damit weiterfahren kann“, erklärt Schwetje. Falls nötig, nimmt er das Rad mit in die Werkstatt und liefert es später fertig repariert wieder aus. 5 Euro nimmt er für eine Anfahrt innerhalb Garbsens, wo er zuhause ist. Die Fahrt in Hannovers Zentrum kostet 13 Euro. Die Reparaturkosten sind vergleichbar mit denen in anderen Werkstätten.
Wer sich das Geld für Reparaturen sparen möchte, kann auch selbst Hand anlegen. Das nötige Rüstzeug vermittelt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in verschiedenen Kursen. „Wir bieten einen Grund- und Aufbaukurs und seit neuestem einen Kurs rund ums Laufrad an“, erklärt Julia Stock, Geschäftsstellenleiterin des ADFC in Hannover. In den etwa zweieinhalbstündigen Kursen werden grundlegende Kenntnisse vermittelt – vom Schlauch flicken über das Einstellen des Lagerspiels an der Nabe bis hin zum Einspeichen und Zentrieren des Laufrades. Die Termine für dieses Jahr stehen noch nicht fest, werden aber rechtzeitig auf der Website veröffentlicht und können telefonisch erfragt werden.

hannover.adfc-nds.de
mobile-fahrradwerkstatt-hannover.de
asta-hannover.de/service/mobilitat/fahrradwerkstatten
fahrradcafehannover.jimdo.com

Rad-Werbung
Ein anderer soll dein Rad bezahlen? Klingt erst einmal absurd, funktioniert aber bereits in der Fahrradhochburg Münster. Möglich macht’s die Initiative „Studierad“. Die Betreiber des Non-profit-Unternehmens suchen Firmen, die für Studierende Fahrräder anschaffen und kostenlos an sie verleihen. Dafür muss der Radler am Hinterrad angebrachte Werbung fürs Unternehmen spazieren fahren. Bei der Zusammenführung der Partner werden die Interessen der beiden beachtet: So muss kein Veganer für Fast-Food-Ketten Werbung machen. Und Unternehmen aus dem medizinischen Bereich unterstützen gerne Studierende der Medizin. Zur Verfügung gestellt werden speziell produzierte City-Bikes, die im Auftrag von „Studierad“ sogar regelmäßig und kostenlos gewartet werden. Wer Interesse hat, kann sich auf der Website registrieren lassen oder unter der dort angegebenen Telefonnummer anrufen. Die Betreiber sind interessiert daran, ihr Angebot auf Hannover auszuweiten, und suchen für dich gerne einen Werbepartner und Sponsoren.

www.studierad.de

Leihrad
Fahrräder können in Hannover auch geliehen werden: Anbieter sind etwa die Fahrradstation am Hauptbahnhof Hannover oder die Fahrradwerkstatt Pro Beruf. Insbesondere bei Lastenrädern ist eine Ausleihe sinnvoll – schließlich werden sie im Alltag in der Regel nicht so oft genutzt, kosten aber meist in der Anschaffung mehrere tausend Euro. Unter dem Namen „Hannah“ verleihen der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und der Händler Velogold in Hannover insgesamt 16 Lastenräder, darunter sechs mit Elektromotoren. In der Regel handelt es sich um zweirädige Backfiets, die sehr wendig sind und mit zirka 70 Kilogramm beladen werden können. Sie stehen an sechs festen und zwei wechselnden Standorten. Die Nutzung ist ab 18 Jahren möglich und kostenlos. Interessierte müssen sich zunächst registrieren lassen. Pedelecs, also Räder mit E-Motor-Unterstützung, werden auch von „PedsBlitz“ verliehen. An sieben Ausgabestationen stehen insgesamt 70 Pedelecs zur Verfügung, darunter 20 Lastenräder sowie Dreiräder für mobilitätseingeschränkte Personen. Die Ausleihe kostet pro Tag 17,50 Euro. Lastenräder sind kostenlos erhältlich. Gebucht werden kann telefonisch oder online. Wer ein Rad leihen möchte, muss mindestens 15 Jahre alt sein und seinen Personalausweis vorlegen.

www.hannah-lastenrad.de
www.pedsbiltz.de

Fahrrad-Leasing
Was bei Autos schon längst gang und gäbe ist, hält seit einiger Zeit verstärkt auch bei Fahrrädern Einzug: das Leasing. Mehrere Internetanbieter setzen das Modell organisatorisch um und kooperieren mit Händlern vor Ort. Über die Website werden interessierte Arbeitgeber akquiriert. Die schließen mit dem Anbieter einen Vertrag. Darin wird beispielsweise festgelegt, ob Versicherungen etwa gegen Diebstahl und regelmäßige Wartungen eingeschlossen sind. Der Arbeitgeber unterbreitet dann der Belegschaft das Angebot, Fahrräder kostenlos zu nutzen. Zeigen Mitarbeiter Interesse, kauft der Leasinganbieter im Auftrag des Unternehmens bei einem der registrierten Händler Fahrräder. Wird das Rad auch privat genutzt, muss dies vom Mitarbeiter als geldwerter Vorteil versteuert werden. Ziel ist es, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen und mit dem Rad zur Arbeit kommen. Das schont die Umwelt, ist gut für die Gesundheit und spart Parkplätze. Kein Wunder, dass Fahrrad-Leasing stark im Kommen ist – vor allem bei kleinen und mittleren Betrieben sei das Interesse groß, sagt Sebastian Uhlenkamp vom hannoverschen Fachhändler e-motion. Oft werden E-Bikes nachgefragt, weil damit auch größere Entfernungen überbrückt werden können und die Mitarbeiter nicht verschwitzt zur Arbeit kommen. Fahrrad-Leasing ist übrigens auch für Freiberufler und Selbstständige möglich.

www.jobrad.org
www.lease-a-bike.de

Versteigerung
Wer ein Schnäppchen machen möchte, der sollte eine der Versteigerungen besuchen, die das Fundbüro der Stadt Hannover veranstaltet. Alle paar Wochen kommen Fahrräder unter den Hammer, die längere Zeit nicht bewegt wurden und keinem Besitzer zugeordnet werden können. Die Versteigerungen finden an wechselnden Orten statt. Die Termine stehen im Internet. Auskünfte erteilt auch das Fundbüro. Durchschnittlich werden rund 100 Räder versteigert, der Kaufpreis bewegt sich in der Regel zwischen 20 und 200 Euro. Das Gros der Räder ist in einem schlechten Zustand – sie sind vor allem als Ersatzteillager oder für Bastler interessant. Die Versteigerungen besuchen oft weit über 100 Interessierte, Gelegenheitskäufer ebenso wie erfahrene Bieter.

www.hannover.de

Radmarkt, aus zweiter Hand
Drahtesel statt Galopper: Auf der Pferderennbahn findet Anfang Mai ein Fahrradmarkt statt. Dort werden gebrauchte Räder verkauft. Der Internetanbieter „Fietsenbörse“ verspricht ein Angebot von mehr als 350 Exemplaren. Verkäufer sind Privatpersonen, Tüftler sowie Händler. Der Verkauf geht von 8 bis 14 Uhr, Räder werden bis 11 Uhr angenommen. Gebrauchte Räder werden auch in verschiedenen Internetportalen sowie in den Kleinanzeigen von Zeitungen angeboten. Darunter lässt sich vermutlich das ein oder andere Schnäppchen finden. Das Risiko beim Gebrauchtkauf ist aber immer, dass man an Diebesgut gerät oder das Rad Schäden aufweist, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Der ADFC rät deshalb, möglichst gebrauchte Räder mit Stahlrahmen zu erwerben, weil der sich zwar verziehen, nicht aber brechen kann. Außerdem sollte ein Kaufvertragsformular mitgenommen werden, in dem der Verkäufer unter anderem Vorschäden am Rad nennen muss.

fietsenboerse.de