The Twang: Country und Latin

Quer-TheTwang

Es muss eine Gruppe wie The Twang eigentlich ärgern. Mit ihrem Konzept, bekannte Rock- und Popsongs zu „countryfizieren“, sie also mit einer ordentlichen Portion Honky Tonk und Rockabilly in schmissige Country-Versionen zu verwandeln, waren sie noch vor der Jahrtausendwende Vorreiter. Später liefen ihnen dann Bands wie The BossHoss mit dieser Idee zumindest in puncto Bekanntheit den Rang ab. In Sachen musikalischer Variabilität waren und sind The Twang aber nach wie vor einen Schritt voraus. Ihr prägendes Stilmittel ist nämlich, die Songs nicht einfach nur in einer Country-Adaption zu spielen, sondern sie komplett neu zu interpretieren. So entstanden etwa aus Kim Wildes „Kids in America“, „Every Breath You Take“ von The Police oder auch Katy Perrys „I Kissed a Girl“ praktisch komplett neue Songs. Auf der aktuellen Veröffentlichung „Wüste Lieder“ präsentiert sich das Sextett nun mit zwei Neuerungen. Zum einen hat es sich erstmals an deutsche Titel gewagt – und zum anderen den Country-Stil um diverse Latino-Elemente erweitert. Ein durchaus mutiges Unterfangen, das allerdings funktioniert. Und zwar auch deshalb, weil die Truppe keine Genre-Scheuklappen aufhat und beispielsweise „Griechischer Wein“ mit fetten Bläsersätzen entstaubt während Witts „Golder Reiter“ hier als Country-Ballade daherkommt. Noch eine Spur ruhiger wird ausgerechnet Tocotronics „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ interpretiert. Ein gelungenes Experiment.
Sören Nolte
Riptide/Cargo Records