Konzerte des Monats

Konzerte des Monats Februar 2019

Rundfunk-Tanzorchester
Jan Böhmermann
Jan Böhmermann wäre ja nicht Jan Böhmermann, wenn nicht auch sein Pressetext zu hundert Prozent Jan Böhmermann entspräche. Das schier omnipräsente Multimediatalent mischt mit seinen Satiren schon lange nicht mehr nur die abendliche Fernsehunterhaltung, sondern zeitweise auch die politischen Diskurse, Nachrichtenspalten und sogar Musikcharts auf. Nur fair also, dass Jan Böhmermann und das Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld jetzt zur „große Wiederaufbautour durch Europa“ ansetzen. Sie wollen laut Pressetext versöhnen, Wunden heilen, Brücken bauen und insgesamt nicht weniger als das emotionalste Konzerterlebnis seit der „Wind of Change“-Tour der Scorpions schaffen: „Wir holen die Menschen da ab, wo sie sind, fahren sie einen Abend lang durch die Gegend und lassen sie völlig verwirrt, erschöpft, aber glücklich da wieder raus, wo wir sie abgeholt haben.“
31.1., Swiss Life Hall

 

Post-Punk
Whispering Sons
Bei alternativer Rockmusik aus Belgien fällt den meisten der Name dEUS ein. Vielleicht kommt bald eine neuer Name hinzu? Whispering Sons aus Brüssel gelten als große Hoffnung des Post-Punk. Nach einer viel beachteten EP („Endless Party“) ist das Quintett nun mit dem lang erwarteten Debütalbum „Image“ auf Tour. Das Spannende an Whispering Sons ist der Perspektivwechsel in ihren Songs. Während stürmische Gitarren und peitschende Beats nach vorne drängen, vermitteln ihre Songs ein Gefühl von Distanz und Entfremdung. „Image“ beschreibt einen eher bewegungslosen Zustand, in dem das Beobachten über dem Handeln steht, spiegelt die Künstlichkeit der Dinge und versucht doch, an Idealen festzuhalten. Live vermitteln Whispering Sons dieses Gefühl mit noch größerer Intensität als auf Platte.
31.1., Lux

 

Klassik-Pop
The Dark Tenor
Über seine drei Alben „Symphony of Light“ (2014), „Nightfall Symphony“ (2016) und „Symphony of Ghosts“ (2018) hat sich The Dark Tenor ein hohes Maß an musikalischer Wiedererkennbarkeit angeeignet. Populäre Melodien aus Opern und Sinfoniekonzerten treffen auf neue Texte und Elemente aus der Popmusik. Seine persönliche Erkennbarkeit gibt der in Deutschland aufgewachsene US-Amerikaner nur nach und nach preis. Nachdem der ausgebildete Opernsänger anfangs eine schwarze Maske und eine Kapuze zur Schau trug, tritt er mittlerweile unverschleiert ins Licht der Öffentlichkeit. Mit seiner Liveband wird The Dark Tenor laut Pressetext sowohl „seine neuen Songs aus der Geisterwelt als auch seine bekannten Hits präsentieren“.
1.2., Capitol

 

Jazz-Songwriter
Jamie Saft feat. Stephan Abel
Jamie Saft ist ein New Yorker Jazzpianist und Multiinstrumentalist, der mit Akteuren wie John Zorn, Iggy Pop, Cyro Baptista, Beastie Boys oder Steve Swallow in zahlreichen Projekten zusammengearbeitet hat. Nach mittlerweile 25 Jahren bewegter Karriere legte er kürzlich mit „Solo A Geneva“ sein erstes reines Soloalbum vor, einen Live-Mitschnitt eines Konzerts auf einem Steinway-Konzertflügel im altehrwürdigen Teatro Carlo Felice in Genua. Hier spielt er neben eigenen Stücken auch Songs der von ihm verehrten Kollegen John Coltrane, Bill Evans, Curtis Mayfield, Bob Dylan, Joni Mitchell und ZZ Top, die thematisch gegen Hass und Negativität gerichtet sind. Denn damit will Saft ein positives Zeichen gegen die momentan negativen Verhältnisse in den USA und anderswo setzen. Genau dieses Programm spielt Jamie Saft nun ebenfalls auf einem Steinway exklusiv mit seinem Gast, dem Tenorsaxofonisten Stephan Abel, in Hannover.
8.2., Tonhalle

 

Progressive Metal
Mastodon
Pressetexte zu Künstlern sind in aller Regel schamlos lobhudelnde Werbeschreiben und nicht selten einige Spuren zu dick aufgetragen. Im Falle von Mastodon aus Atlanta kann man einen Satz wie den folgenden aber guten Gewissen absolut unwidersprochen stehen lassen: „Als eine der international respektiertesten und einflussreichsten Heavy-Rock-Bands ihrer Generation treiben sich Mastodon musikalisch, lyrisch sowie kompositorisch immer weiter nach vorne und sind so zu ihrem eigenen musikalischen Genre gewachsen.“ Mastodon treten auf ihrer aktuellen Tour gemeinsam mit dem Neurosis-Mitbegründer Scott Kelly auf und auch das Vorprogramm ist mit Kvelertak und Mutoid Man hochwertig besetzt.
6.2., Capitol

 

Afro-Blues
Bassekou Kouyate & Ngoni Ba
Wer die Folk-Blues-Musik des Mississippi-Deltas mit der Westafrikas vergleicht, wird erstaunliche Ähnlichkeiten entdecken. Der Sound, den die Sklaven mit nach Amerika brachten, schwingt noch heute mit. Einer der wichtigsten Vertreter des afrikanischen Blues-Erbes ist der Ngoni-Spieler Bassekou Kouyate. Er sei „ein Genie und der lebende Beweis dafür, dass der Blues aus Mali kommt“, sagt der
US-Blues-Sänger Taj Mahal über seinen Kollegen. Davon kündete jüngst der Kinofilm „Mali Blues“, in dem der Virtuose auf der westafrikanischen Langhals-Spießlaute als Protagonist zu erleben ist. Dennoch zieht er die Bühne der Leinwand vor. Mit seiner sechsköpfigen Band Ngoni ba geht Kouyate live auf eine
Forschungsreise zu den Wurzeln afrikanischer Musik. Der Ohrenschmaus wird durch eine kulinarische Besonderheit flankiert: Fernanda Noll kocht westafrikanische Spezialitäten zugunsten des Vereins
„Black & White for Angola“.
7.2., Schloss Landestrost/Neustadt am Rbg

 

Ska
The Busters
Das Jahr ist noch jung, es ist kalt draußen. Wir stehen auf Ska-Musik, verreisen nie, wenn das Jahr jung und kalt ist, weil wir wissen: Immer dann sind sie auf Tournee. Die Busters live. Das darf man als Freund der Zweitonmusik nicht verpassen; das kann man gar nicht oft genug sehen. The Busters, die ihr aktuelles 17. Album  „Straight Ahead“ vorstellen, sind ein Garant für durchschwitzte, durchtanzte Abende mit packenden Rhythmen, messerscharfen Bläsersätzen und erhöhtem Spaß-Faktor. Dafür sorgen zuvorderst zwei unermüdliche Entertainer an der Bühnenfront, Richie Alexander und der neue Sänger Joe Ibrahim. Ska und Reggae, abgeschmeckt mit ein wenig Jazz und Pop, auf der Überholspur. Diese Band ist einfach eine Bank.
8.2., Faust/60er-Jahre-Halle

 

Metal
U.D.O.
In den letzten Jahren war Udo Dirkschneider auf Abschiedstour vom Kapitel Accept. Mit dieser Band wurde der Sänger aus Solingen in den Achtzigerjahren weltweit zur Heavy-Metal-Marke und die Konzertreise entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten seiner Karriere. Mit dem Album „Steelfactory“ stellt Dirkschneider jetzt wieder seine 1987 gegründete Band U.D.O. in den Fokus. Die neuen Songs zeichnen sich laut Pressetext durch mitreißende Direktheit, starken Hymnencharakter und einen erdigen, handgemachten Sound aus. Support: Dead City Ruins. Special Guest: Reece.
13.2., Capitol

 

Jazz
Caroll Vanwelden
Jazz steht als Musikgattung über diesem Konzerthinweis. Aber ist das richtig? Darf man es Jazz nennen, wenn eine Sängerin sich den Sonetten von Shakespeare widmet? Auch wenn das begleitende Trio mit Trompete, Bass und Schlagzeug ganz darauf hindeutet? Nun ja, nennen wir es einfach frisch und feinsinnig instrumentierte Musik irgendwo zwischen Kammermusik, Jazz und sogar Pop. „The Best of the Sings Shakespeare Sonnets Trilogy“ nennt die belgische Sängerin und Pianistin Caroll Vanwelden ihr Programm. Dabei setzt Vanwelden ihre farbenreiche Stimme mal zupackend und mal verträumt leicht ein und spielt mit aktuellen Klangfarben und Musikstilen. Zusammen mit dem Trio um Trompeter Thomas Siffling entsteht so ein komplexer Sound voller Gefühl und Rhythmus.
14.2., Schloss Landestrost/ Neustadt am Rbg.

 

Rock
Mitch Ryder
Urwüchsig und unkaputtbar. Nebeliges, lauerndes Vibrato. Eine gewaltige Reibeisenstimme, die geradewegs aus den Tiefen der Hölle zu kommen scheint. Mitch Ryders Stimme wurde mit vielen Attributen belegt. Amerikanische Fans schwelgen zu seinen gecoverten Hits aus der Motown-Ära gern in Erinnerungen, während Europäer in dem 73-jährigen Sänger und Songschreiber einen Pionier des energiegeladenen Hardrocks sehen. Seine Konzerte in der Heimat dauern maximal 90 Minuten, in Europa hingegen lässt man den Performer erst von der Bühne, nachdem er auch seine aktuelleren Songs gespielt hat. Und das kann bis zu zweieinhalb Stunden dauern.
15.2., Blues Garage

 

Skate-Punk
ZSK
Die Berliner Skate-Punker wissen, was sie wollen. Sie haben „kein Bock auf Nazis“. So heißt auch die 2006 gegründete Kampagne, die ZSK als verlängertes Sprachrohr der Anti-Rechts-Bewegung etablierte. Kein Album, keine Tour vergeht, ohne dass sie sich lautstark gegen Rassismus und rechte Gewalt engagieren. „Hallo Hoffnung” heißt das fünfte Studio-Album der Berliner, das genau dieses macht – Hoffnung. „Es ist eine Platte für alle, die wütend sind, die nicht aufgeben wollen. Aber auch für die, die jetzt Schutz brauchen”, sagt Sänger Joshi. „Es ist ein ziemlich persönliches Album geworden, das Mut macht, sich weiter gegen den ganzen Mist da draußen stark zu machen.” Wer das genauso sieht, wird an diesem Abend große Freude und größtmögliche Solidarität empfinden. Als Support sind die Kölner Post-Punker KMPFSPRT am Start.
16.2., Faust/60er-Jahre-Halle

 

Metal/Rock
Ghost
Nachdem der Name Ghost in der Musikpresse zuletzt meistens im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit zwischen ehemaligen Bandmitgliedern und Frontmann Tobias Forge auftauchte, ist im Sommer 2018 das neue Album „Prequelle“ erschienen. Im Pressetext heißt es darüber: „Es ist ein interdisziplinäres Meisterwerk, das neben den klassischen Metal-Zutaten auch Ausflüge in alle musikalischen Gattungen nimmt, die Forge inspiriert haben. Darunter Jazz-Rock, Folk im Stile Tom Pettys, eleganter Pop im Geiste von Roxy Music oder Stadion-Rock Marke Bruce Springsteen“. Das Album erreichte Platz 1 der schwedischen, Platz 2 der deutschen sowie Platz 3 der US-amerikanischen Charts und dürfte auf der aktuellen Tour für entsprechenden Andrang sorgen. Support: Candlemass.
17.2., Swiss Life Hall

 

Rap
Marsimoto
Der Mann ist ein Phänomen: Im Mai 2017 erschien das Marteria-Album „Roswell“, im April 2018 das Marsimoto-Werk „Verde“ und nur vier Monate später mit „1982“ schließlich die Kollaboration von Marteria und Casper. Und bevor die beiden am 31.5. die Expo Plaza zum Beben bringen, ist Marten Laciny als Marsimoto unterwegs. Das Wesen dieser Kunstfigur bringt der Pressetext bestens auf den Punkt: „Überall drückt, ruckelt und zuckelt es, ständig rasselt, rumpelt und pumpelt irgendwo etwas. Und dazu baut Marsi Joints wie Eselsbrücken und Eselsbrücken wie Joints und hat für jeden einen Heliumhalbsatz oder qualmgeschwängerten Querverweis übrig.“ Support: Dead Rabbit.
19.2., Capitol

 

Rock
Heinz Rudolf Kunze
Zuletzt war Heinz Rudolf Kunze vorrangig mit seinem Programm „Einstimmig“ unterwegs, in dem er erstmals in seiner Karriere musikalisch solo auf der Bühne zu erleben war und sich selbst abwechselnd am Klavier und an der Gitarre begleitete. Über den Einfluss dieser Phase auf das 2018 veröffentlichte neue Album heißt es im Pressetext: „Auf ‘Schöne Grüße vom Schicksal’ hat Heinz Rudolf Kunze durch die zahlreichen Solo-Auftritte der vergangenen Jahre seine Stimme noch einmal ganz neu als Instrument entdeckt, mit dem er nun vom beschädigten, vom wunderbaren Leben erzählen und das Schicksal zum Duell herausfordern kann. Er jubelt! Er seufzt! Er verdammt! Und er singt – vielleicht so gut wie noch nie.“ Live unterwegs ist Kunze mit seiner Band Verstärkung.
22.2., Capitol

 

Ska-Punk
Mad Caddies
Ska-Punk-Bands kommen viele nach Hannover. Das Genre hat hier viele Anhänger. Aber wenn die Mad Caddies aus Kalifornien anreisen, ist es jedes Mal wie ein Festtag. Sie sind eine Ska-Punk-Institution und werden dafür geliebt, dass ihr Ska-Punk sich recht abwechslungsreich verästelt und auch bei Reggae, Dub oder Dancehall Halt macht. Besonders charmant dürfte der Auftritt zur Tour anlässlich ihres neuen Albums „Punk-Rocksteady“ werden. Darauf covern die Westcoastler Highlights der Punk-Historie und interpretieren grantige Klassikern von Bad Religion, NoFX, Green Day oder den Misfits als sonnenverwöhnte Reggae-Nummern. Wer dabei keinen Spaß hat, muss schon ein schwerer Miesmuffel sein. Support für die lustige Covershow kommt von den britischen Ska-Spezis Buster Shuffle und dem Singer/Songwriter Jon Gaze von den Virgin Islands.
27.2., Faust/60er-Jahre-Halle