Konzerte des Monats

Konzerte des Monats März 2020

Disko-Funk
Jeremias
Sie sind gerade einmal 18 bis 21 Jahre alt und klingen gleichzeitig nach jungen Hüpfern und alten Hasen. Das mag zum einen an Produzent Tim Tautorat liegen, zu dessen Referenzen unter anderem The Kooks, Herbert Grönemeyer, AnnenMayKantereit, Faber und OK Kid zählen. Zum anderen heißt es im Pressetext von Jeremias: „Sie singen und spielen sich ihr träumerisches Weltbild von der Seele, welches neben der totalen Ungezwungenheit auch melancholische Facetten aufweist.“ Am Ende sei es allerdings die Fusion aus zeitgemäßer Poesie mit einer Prise Hermann Hesse auf tanzbaren 70s-Vibes, die ihre persönliche Note des Disko-Funk ausmache. Aufhänger der Tour ist die unlängst veröffentlichte Debüt-EP „Du musst an den Frühling glauben“.
28.2., Musikzentrum

 

Swing
Glenn Miller Orchestra
Die originalen Arrangements von Glenn Miller dürfen weltweit nur drei lizensierte Orchester spielen, eines in den Vereinigten Staaten, eines in England und eines im Rest Europas. Letztgenanntes feiert aktuell sein 35-jähriges Bestehen und als wäre das noch nicht genug, steht auch noch der 70. Geburtstag des musikalischen Leiters Will Salden an. Gemeinsam mit der Vokalgruppe The Moonlight Serenaders ist das Glenn Miller Orchestra unterwegs, um das doppelte Jubiläum gebührend zu feiern. Neben Klassikern der Swing-Ära wie „In The Mood“, „Moonlight Serenade“ und natürlich „Chattanooga Choo Choo“ werden  auch Werke von Cole Porter, George Gershwin und sogar Tschaikowsky zu hören sein.
1.3., Theater am Aegi

 

Rock
Wanda
Mit ihrem Debütalbum „Amore“ (2014) war es plötzlich da: das wundersame Phänomen namens Wanda. Angezogen von einer unwiderstehlichen Single namens „Bologna“ richteten sich die Blicke nach Wien, und während sich das Album über 100 Wochen wohnlich in den österreichischen Charts einrichtete, überschlugen sich auch hierzulande mehr und mehr begeisterte Stimmen. 2015 nannte der Musikexpress sie „die vielleicht letzte wichtige Rock’n’Roll-Band unserer Generation“ und die Leserinnen und Leser des Rolling Stone wählten Wanda zur Band des Jahres. Längst sind sowohl „Amore“ als auch die beiden nachfolgenden Albums „Bussi“ (2015) und „Niente“ (2017) mit Doppelplatin ausgezeichnet und auch der Ruf als „ekstatische Gewalt auf der Bühne“ eilt der Band meilenweit voraus. Anlass ihrer aktuellen Tour ist das jüngste Werk „Ciao!“.
3.3., Capitol

 

Indie-Pop
Blond
Eine Band, die aus Chemnitz kommt, zum Teil mit Mitgliedern der Vorzeigeband der Stadt, Kraftclub, verwandt ist, weckt Erwartungen. Schließlich steht diese sozial und politisch bipolare Stadt für Brüche und Spannungen. Was als Nährboden für Kunst nicht das Schlechteste ist. Kunst machen Blond nicht, dafür aber unangepassten Indie-Pop mit deutschen Texten. Das Trio der Schwestern Lotta und Nina Kummer mit Bassist Johann Bonitz mischt Tristesse mit Las Vegas Glamour, Aufbruchstimmung mit Depression. Formationstanz und Rapgesang, Powerpop und Zauberkunst liegen bei ihnen nahe beieinander. Nun sind sie mit ihrem Debüt-Tonträger „Martini Sprite“ auf Tour. Ihre Musik ist tatsächlich ein wenig wie der Genuss von „Martini Sprite“: irgendwie süß, aber auch ganz schön herb. Geht auf jede Fall direkt ins Hirn – und in die Beine
4.3., MusikZentrum

 

Pop-Rock
Fools Garden
Es ist wohl nicht ganz so weit hergeholt, die bereits 1991 in Pforzheim gegründete Band Fool‘s Garden – damals noch mit Apostroph geschrieben – als One Hit Wonder zu bezeichnen. Die Single „Lemon Tree“ stand 1996 nicht nur in Deutschland, sondern unter anderem auch in Irland, Norwegen und Schweden auf Platz 1. Sogar in Neuseeland erhielten die Schwarzwälder eine Platinauszeichnung. Einen solchen Hit konnten Fools Garden freilich nicht mehr landen, doch auch heute noch hat die Band um die beiden Gründungsmitglieder Peter Freudenthaler und Gitarrist Volker Hinkel international durchaus Erfolg, insbesondere in Russland, Litauen und China. Zuletzt ist 2018 mit „Rise And Fall“ ein neues Album erschienen.
6.3., Pavillon

 

Pop
Lukas Meister/June Cocó
Eines wird dieser Abend garantiert nicht: ein Fest für alle Haareschüttler und Moshpit-Süchtigen. Es ist eher etwas für sensible Menschen, für die Musik nachhaltig wirken muss. Mit June Cocó aus Leipzig und Lukas Meister aus Berlin stellen sich zwei würdige Vertreter des fragilen Songwriter-Handwerks vor. Intim, reduziert, nur mit Klavier, Stimme und wenigen punktierten Beats & Sounds inszeniert Cocó ihre Songs – mit Klarheit und Raum für Stille, aber auch den großen Popmomenten. „Flirrend, wie das Glitzern, das entsteht, wenn Sonnenstrahlen auf Asphalt treffen“ meint ihr Info, sei ihre Musik. Mit drei Alben im Schlepptau reist Lukas Meister an und krönt den Abend mit tiefsinniger Liedermacherkunst. Er singt von Gefühlen, die wir alle kennen und jongliert mit Worten, die uns so nicht eingefallen wären. Humor und Melancholie vereinigen sich und vermitteln eine erfrischend unorthodoxe Sicht auf die Dinge.
8.3. Béi Chéz Heinz

 

Jazz
Viktoria Tolstoy
„Tolstoy, schwere Kost“ sinnierte einst Schwergewichtler Klitschko in einem Werbespot. Natürlich meinte er damit nicht die Ururenkelin (mütterlicherseits) des russischen Dichterfürsten. Viktoria Tolstoy hat sich auch nicht der Literatur verschrieben, sondern dem leichtgängigen Jazz ganz nah an der Grenze zur Popmusik. Seit ihrem CD-Debüt „Shining On You“ von 2004 sorgt sie mit ihrer samtweichen Wohlfühlstimme für elaboriertes Easy Listening an der Spitze der nordischen Jazzsängerinnenwelle. Im Jazz Club begeisterte sie ihre Fans bereits oft mit sehr intimen, nahegehenden Interpretationen von Jazz-Standards, Pop-Songs, Klassik-Adaptionen oder Eigenkompositionen. Heute nimmt sie uns mit den Songs ihrer aktuellen ACT-CD „Stations“ auf eine musikalische Reise durch die Zeit. Unterstützt wird sie bei ihrem Streifzug von Joel Lyssarides (p), Krister Jonsson (gtr), Mattias Svensson (b) und Rasmus Kilberg (d)
8.3., Jazz Club

 

Blues-Rock
Sari Schorr
Von dem legendären Produzenten Mike Vernon (Eric Clapton, Stevie Winwood, Fleetwood Mac, John Mayall u.v.a.) heißt es, er sei so begeistert von Sari Schorr gewesen, dass er extra aus dem Ruhestand zurückkehrte, um mit der Sängerin und Songschreiberin aus New York zusammenzuarbeiten. Das daraus resultierende Debütalbum „A Force Of Nature“ erhielt 2016 ausgesprochen positive Kritiken und nach „Never Say Never“ (2018) erscheint pünktlich zur Tour das neue Album „Live In Europe“. Nachdem Sari Schorr bereits vor rund einem Jahr in der Blues Garage begeisterte, dürfte ihre Rückkehr nach Isernhagen fast schon ein Heimspiel sein!
14.3., Blues Garage

 

Pop-Rap
Moses Pelham
30 Jahre ist es her. Ein gewisses Rödelheim Hartreim Projekt sollte in einem Kölner Club während der Musikmesse „Popkomm“ auftreten. Der Autor dieser Zeilen war da. Ein Kollege aus Frankfurt hatte den Tipp gegeben. Zitat: „Die werden mal groß“. Doch die Tür des Clubs war verschlossen. Angeblich wurden zu wenig Tickets verkauft  – für eine Band, die außerhalb Rödelheims niemand kannte. Ein halbes Jahr später ging das Projekt durch die Decke. Der Rest ist Geschichte. Ihr Kopf, ein gewisser Moses Pelham, ebnete mit seinem Label 3p den Weg für weitere Superstars: Xavier Naidoo, Sabrina Setlur, Glashaus….und natürlich sich selbst. Nach langen Jahren fernab des Rampenlichts starrtet Pelham Solo noch mal durch. Sein jüngstes Album „Herz“ erreichte Platz 2 der offiziellen deutschen Charts. Darauf macht der Pelham das, was er am besten kann: Hip-Hop für die Masse, schön abgeschmeckt mit leichten Pop-Melodien.
17.3., Capitol

 

Indie-Pop
Telquist
Den Grammy hat diese Band noch nicht gewonnen. Aber immerhin den Regensburger Musikpreis. Viele Kritiker trauen Telquist seit ihrem Debüt „Strawberry Fields“ aus dem Jahre 2017 eine Menge zu. An Selbstvertrauen jedenfalls scheint es Telquist nicht zu mangeln, sonst hätten sie ihr Debüt-Album nicht nach einem Beatles-Titel benannt. Mit den Fab Four hat ihre Musik dennoch wenig zu tun. Sie bewegt sich souverän zwischen Indie, Pop und Folk, zwischen dem sperrigen Indie-Sound von Notwist und sonnigem Singer-/Songwriter-Melodien à la Jack Johnson. Sie singt von Liebe, Teenage-Ängsten und Weltuntergangsszenarien. Während Telquist als vierköpfige Band – bestehend aus Sebastian Eggerbauer, Christoph Hundhammer, Thomas Huck und Max Gerisch – auf der Bühne steht, ist für das Einspielen und Produzieren der Tonträger nur Eggerbauer verantwortlich.
17.3., Lux

 

Jazz-Funk
Fred Wesley
Als „The funkiest trombone player on planet earth“ lässt sich Fred Wesley in seiner Autobiografie ankündigen. Da soll erstmal einer kommen, der das Gegenteil behauptet! Fred Wesley ist ohne Wenn und auch Aber der funkigste Posaunist der Weltgeschichte. Und noch viel mehr: Als James Brown den Funk erfand, war Fred dessen Bandleader. Mit George Clinton entwickelte er die hohe Schule des P-Funk mit unverschnittener Bläserschärfe als Teil der „Horny Horns“ weiter. Nicht zu vergessen: Sein Klub-Klassiker „House Party“ ist einer der größten Funk-Hits aller Zeiten und krönt noch heute die Show seiner gnadenlos groovenden Band. Weil Wesley aber auch im Jazz verwurzelt ist und lange mit Count Basie spielte, wagt er sich mit seinem aktuellen Trio um den Italiener Leonardo Corradi an der Orgel und dem Franzosen Tony Match am Schlagzeug auch an Jazz-Klassiker.
20.3., Jazz Club

 

Ska-Punk
Rantanplan
Schon als die Hamburger Ska-Punk-Institution 2009 das Live-Album „Halt’s Maul – Mach Musik!“ herausbrachte, war das laut Eigenaussagen eine „Art Ehrerbietung vor den über 250.000 Konzert-Besuchern, die in den zurückliegenden 15 Jahren die Konzerte von Rantanplan besucht und gefeiert haben“. Freilich ist die Band auch seitdem alles andere als untätig gewesen. Nach drei weiteren Alben ist 2019 mit „Stay Rudel – Stay Rebel“ der jüngste Streich erschienen. „Live aufgenommen und ehrlich von der Seele gebrüllt. Kein Subsynthesizer, Streicher, Percussions oder Gedöns. Nur Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang, Trompete, Posaune, hier und da etwas Orgel, fertig. Wer da stillsitzen kann, muss mal zum Arzt.“
20.3., Faust, 60er-Jahre-Halle