Rettet das Béi Chéz Heinz!

Aktu-SOTU im Heinz-0617

Die Stadt plant den Neubau des Fössebades – aber ohne Freibad und Musicclub.
Für das Fössebad in Linden gibt es eine gute und zwei schlechte Nachrichten. Zunächst die Gute: Die Stadt möchte das marode Bad abreißen und neu bauen – unter anderem mit einem wettkampftauglichen 50 Meter-Becken. Und die schlechten Nachrichten? In den Plänen der Verwaltung ist kein Platz mehr für ein Freibad. Außerdem soll der Musicclub Béi Chéz Heinz ausziehen. Gegen das Vorhaben laufen Stadtteilpolitiker und Lindener Sturm: Sie sind der Ansicht, dass der wachsende Stadtteil mit einem hohen Anteil an Familien ein Freibad benötigt. Außerdem wird ein möglicher Verkauf von Teilen des Geländes kritisch gesehen: So befürchtet die Linke im Stadtbezirksrat, dass dort hochpreisiger Wohnungsbau entsteht. Auch das Finanzierungsmodell stößt auf Kritik. Geplant ist, dass ein privates Unternehmen das Bad aus eigenen Mitteln baut. Die Stadt soll anschließend eine Kaufmiete entrichten. Den jetzigen Betreibern, dem Verein Waspo und dem Universitätssportclub, müsste gekündigt werden.
Auch für das Béi Chéz Heinz würde eine Umsetzung der Pläne das Aus bedeuten: „Die Stadt hat zwar angekündigt, uns bei der Suche nach neuen Räumen behilflich zu sein. Aber das halten wir für ein reines Lippenbekenntnis“, sagt Christian Sölter, Vorsitzender des Trägervereins und Programmchef. Ein Club sei in einer Wohngegend nirgendwo willkommen. Und wenn das Béi Chéz Heinz in einem Gewerbegebiet aufmachen müsste, bedeutete das den „finalen Rettungsschuss“, so Sölter. Immerhin hat es inzwischen ein Treffen mit Oberbürgermeister Stefan Schostok gegeben, auf dem der Trägerverein seinen Vorschlag unterbreiten konnte. Der sieht vor, dass der Trakt, in dem sich der Club befindet, erhalten bleibt. Dort könnten zusätzlich Tagungsräume entstehen, die vermietet werden. Der Verein würde das Veranstaltungszentrum eigenwirtschaftlich betreiben, erläutert Sölter. Schostok sicherte zu, dass der Vorschlag geprüft werde. Unterstützung bekommt das Béi Chéz Heinz vom Stadtbezirksrat Linden-Limmer, der sich deutlich für einen Verbleib des Clubs ausgesprochen hatte.
Auch das Hallenbad in Misburg soll neu gebaut werden. Das einsturzgefährdete Gebäude wurde für den Publikumsverkehr vor einiger Zeit gesperrt. Nun soll es abgerissen und anschließend von einem privaten Investor neu errichtet werden. Die Stadt will es dann per Kaufmiete erwerben. Geplant ist in Misburg zudem, dass die Außenbecken saniert werden. Insgesamt hat die Stadt rund 36 Millionen Euro für die beiden Projekte veranschlagt. Nach rund vier Jahren Planungs- und Bauzeit sollen die Bäder fertig sein.
Ob die Pläne der Verwaltung in der vorliegenden Form umgesetzt werden, ist aber zumindest in Linden fraglich: In einer Sondersitzung des Stadtbezirksrates Linden-Limmer am 7. Juni soll über das Thema erneut debattiert werden. Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube (SPD) ruft die Lindener dazu auf, den Erhalt des Freibades zu unterstützen und die Bebauung der Liegewiese zu verhindern. Damit stellt er sich gegen seine Parteifreunde im Rat, die das Konzept der Verwaltung bisher positiv bewertet hatten.
sh