Lokalradio: Radio Hannover wird 100

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Die Stimme der Stadt: Im April 2014 ging Radio Hannover mit einem erfrischenden Mix aus lokaler Berichterstattung sowie einem breit aufgestellten Musikprogramm mit Titeln aus den letzten fünfzig Jahren erstmals auf Sendung. Seit dem 30. März ist der Sender nun auf der neuen UKW-Frequenz 100,0 MHz zu empfangen und erreicht über 1,2 Millionen Hörer in Stadt, Region und Umland.
Mit Geschäftsführer Martin Wöbbeking und Programmdirektor Björn Stack sprach SPALTER-Chefredakteur André Buron.

Spalter: Ihr sendet jetzt seit drei Jahren in Hannover. Wie läuft es?
Martin Wöbbeking: Wir sind 2014 gestartet, um einen Regionalsender für die Stadt ins Leben zu rufen und sind drei Jahre später absolut positiv gestimmt und sehr zufrieden über die gute Entwicklung. Seit dem Start haben wir unser Programm deutlich erweitert. Zunächst sollte ja nur an den Werktagen eine Morgensendung laufen, inzwischen senden wir durchgängig von Montag bis Sonntag mit jeweils zwei Schichten den ganzen Tag.
Björn Stack: Unser Programm wird sehr gut angenommen. Insbesondere sind wir darüber glücklich, dass es auch 2014 noch möglich war, ein Lokalradio interessant zu gestalten und damit die Hörer zu erreichen. In einer Zeit, in der alle global im Netz unterwegs sind und via App Sender hören, freut es uns, dass es viele Hörer gibt, die sich in Hannover an der politischen Meinungsbildung beteiligen wollen und am kulturellen Angebot sowie an wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen interessiert sind.

Spalter: Was hat sich bei Radio Hannover im Laufe der letzten drei Jahre verändert?
Stack: Eigentlich kaum etwas. Radio bedeutet ja Kontinuität, das ist sein Erfolgsrezept. Wir sind kein Rocksender, kein Balladensender und auch kein Hitradio – wir spielen einfach gute Musik. Es zahlt sich auch aus, dass wir uns für ein Programm mit einer hohen Titelanzahl aus den letzten fünfzig Jahren entschieden haben. Das kommt sehr gut an. Dabei sind wir authentisch, ehrlich und rund um die Uhr verlässlich für unsere Hörer da, immer frisch und topaktuell. Viele Menschen nutzen uns inzwischen als stetigen Tagesbegleiter.

Spalter: Wie viele Hörer erreicht ihr jeden Tag?
Wöbbeking: Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die im Auftrag der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) erhoben wurde, erreichen wir mit unserem Programm täglich rund 35.000 Hörer im Stadtgebiet, dazu kommen noch Hörer aus der Region und Gelegenheitshörer, sodass wir uns über mehr als 200.000 Radio Hannover-Hörer freuen können. Wir sprechen dabei in erster Linie die Altersgruppe zwischen 29 und 59 Jahren an, freuen uns aber darüber, dass wir auch bei vielen Studenten beliebt sind. Das hat uns selbst ein bisschen überrascht.
Stack: Offenbar schaffen wir es eine integrierende Wirkung für die Stadt zu haben, obwohl der Spagat sowohl in Sachen Musik als auch bei den Zielgruppen recht groß ist. Ein Wir-Gefühl zu schaffen und in der Stadt zu verbreiten, ist uns ein besonderes Anliegen. Besonders freut uns aber, dass wir nicht nur gerne gehört, sondern auch miteinbezogen und angesprochen werden. Wir nehmen aktiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil.

Spalter: Wie steht ihr wirtschaftlich da?
Wöbbeking: Wir sind sehr glücklich über die positive Entwicklung des Senders und schreiben schon seit dem zweiten Jahr schwarze Zahlen. Bei der heimischen Wirtschaft werden wir wahrgenommen und im werblichen Auftreten berücksichtigt. Inzwischen haben sich viele langfristige Kundenbeziehungen entwickelt. Über 90 Prozent der Werbepartner aus dem ersten Jahr sind immer noch dabei.

Spalter: Zum 30. März wechselt ihr nun die Frequenz. Aus welchem Grund?
Wöbbeking: Als Radio Hannover nach einem Genehmigungsverfahren die Lizenz erhalten hat, wurde uns die UKW-Frequenz 87,6 MHz zugeteilt. Diese Frequenz hat für Hannover den Nachteil, dass hier auch der NDR aus Hamburg sendet. Die sehr hohe Sendeleistung der Kollegen beeinträchtigt unseren Empfang in Hannover leider negativ. In einem längerfristigen Prüfungsprozess ist es uns schließlich gelungen, eine koordinierte Frequenz mit einer besseren Leistung zu bekommen. Hier hat sich auch die Landesmedienanstalt für uns stark gemacht, wofür wir sehr dankbar sind. Wir konnten uns mit dem Bürgerfunk Radio aktiv aus Hameln darauf einigen, seine Frequenz zurück nach Hannover zu geben. Im Gegenzug hat Radio aktiv eine neue Frequenz erhalten, die für Hameln ebenfalls eine bessere Leistung ergibt. Auf unserer neuen Frequenz 100,0 MHz senden wir jetzt mit der dreifachen Sendeleistung, 300 statt 100 Watt, sodass diese im Stammgebiet und 40 Kilometer um Hannover herum stabiler wird.
Stack: Dann erreichen wir die gesamte Region Hannover und auch das Umland mit unserem Programm und erweitern unsere technische Reichweite auf über 1,2 Millionen Hörer. Das freut besonders viele Pendler, die sich gewünscht hatten, uns nicht nur auf dem Weg zur Arbeit, sondern auch zuhause in Peine, Hameln oder Hildesheim empfangen zu können. Das ist jetzt möglich.

Spalter: Wird sich durch den Frequenzwechsel etwas an eurem Programm ändern?
Stack: Nein, wir sind nach wie vor die Stimme der Stadt und so soll es auch bleiben. Natürlich werden wir zusätzlich Themen aus dem Umland aufgreifen, die relevant für die Stadt sind, aber der Fokus liegt weiterhin eindeutig auf Hannover.

Spalter: Größere Reichweite, mehr Hörer, mehr Arbeit – braucht ihr mehr Personal?
Wöbbeking: Nein, wir haben bereits in den letzten drei Jahren viele etablierte Radiomacher für Radio Hannover gewinnen können und so die Moderation und Redaktion deutlich erweitert, sodass dieses hoch motivierte Team die neuen Herausforderungen jetzt prima meistern kann. Überhaupt schätzen wir
alle die entspannte und professionelle Arbeitsatmosphäre bei uns im Sender.

Spalter: Was würdet ihr spielen, wenn ihr keine Rücksicht auf vielfältigen Musikgeschmack nehmen müsstet?
Stack: Ich würde das neue Album von Depeche Mode rauf und runter spielen.
Wöbbeking: Als alter Klaus Schulze- und Tangerine Dream-Fan freue ich mich natürlich über die Grenzwellen mit Ecki Stieg die jeden Mittwoch zwischen 21 und 0 Uhr bei uns laufen. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, die Sendung im Programm zu haben. Hier gibt es gute Musik zu hören, die
außerhalb des normalen Formats liegt. Insofern bin ich wunschlos glücklich.

Spalter: Vielen Dank für das Gespräch.