Wolfram Knauer: Play yourself, man!

Literatur1119-Buch Rezi-Wolfgang Knauer

Mit dem Titel bezieht sich Knauer auf die Standardantwort „Spiel dich selbst!“ schwarzer Musiker auf die Frage, wie man ein guter Jazzer werden könne. Als langjähriger Leiter des Jazzinstituts Darmstadt beschäftigt sich der Autor beruflich täglich mit dem Jazz. Aber Wolfram Knauer ist auch privat ein leidenschaftlicher Jazzfan. Denn als der Kieler Ende der 1960er Jahre erstmals Free Jazz im Radio hörte, war das Feuer entfacht. Irgendwann entdeckte er dann auch den Jazz aus Deutschland, der es ihm seitdem besonders angetan hat. Und so war bald die Idee geboren, ein grundlegendes Werk zu schreiben, in dem Knauer von den Anfängen im Berlin der 1920er, über den Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg, der eigenständigen DDR-Szene bis zum aktuellen Zustand des deutschen Jazz, der wohl zu einem der vielfältigsten weltweit gehört, hier nun sehr profund berichtet. So behandelt er unter anderem so drängende Fragen, wie es überhaupt zum deutschen Jazz kam, was daran „deutsch“ ist, warum er vor 40 Jahren nur von Männern gespielt wurde oder ob hiesige Musiker swingen können. Doch Knauer interessiert darüber hinaus auch, wie sich der deutsche Jazz in politische, gesellschaftliche und ästhetische Diskurse einbringt und ob es ihm gelang, diese afroamerikanische Musiktradition in eine eigene Spielart zu übersetzen. Eine gelungene Aufarbeitung, die schon lange fällig war.     MAI

Reclam, 528 Seiten