Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex 1

Buch-Despentes

Das Erscheinen der Taschenbuchausgabe des ersten Bandes der Trilogie veranlasste mich jetzt, den Bestseller endlich kennenzulernen. Vernon, einst Besitzer eines hippen Plattenladens in Paris, jetzt arbeitslos, sinkt rapide bis in die Obdachlosigkeit. Eine geniale Idee der Autorin, um Teile der gegenwärtigen Gesellschaft zu porträtieren. Denn Vernon haut bald nacheinander (ehemalige) Freunde und Bekannte an, oft per Facebook, täuscht vor, nur zu Besuch aus Kanada gekommen zu sein, und bittet um Quartier für ein paar Nächte. Es gelingt Despentes, ein Panorama zu entwerfen, indem sie jeweils die Situation der Protagonisten aus der Innenperspektive schildert, gnadenlos sarkastisch, zugleich einfühlsam. Kapitel für Kapitel geraten wir in den Kopf einer Figur, in deren Geschichte. Im Präsens erzählt, wirken die Szenen sehr nah. Das Prinzip einiger TV-Serien habe ihr als Modell
vorgeschwebt, hat Despentes einmal gesagt. Und man schaltet gerne immer wieder ein.     dzn

Kiwi, 399 Seiten, 12,-