Skulptur/Fotografie: Das große Rauschen

Foto: Pierre AntoineFoto: Pierre Antoine

Wenn Katinka Bock das große Rauschen in die Kestnergesellschaft bringt, hat das auch verdammt viel mit Hannover zu tun.

Quizfrage: Was ist das? Es sieht aus wie eine gigantische Meeresschnecke, hängt in der Kestnergesellschaft von der Decke und besteht aus Teilen eines Wahrzeichens von Hannover. Die Rede ist vom neuesten Kunstwerk der Frankfurter Künstlerin Katinka Bock. Die hat nämlich aus den originalen Kupferplatten der Kuppel des Anzeiger-Hochhauses eine neun Meter große Skulptur geschaffen. Die alten Kupferplatten wurden zwischen 2018 und 2019 bei einer umfassenden Sanierung entfernt und durch neue ersetzt. Bock hat die Platten zum Kunstwerk verarbeitet, und zwar mit einer Technik, die sie auch bei anderen Skulpturen anwendet: Objekte werden dabei in Keramikplatten eingewickelt und im Ofen gebrannt. Das Objekt verbrennt, so dass ein Hohlraum entsteht, dessen Volumen nur durch die Keramik sichtbar bleibt. Bei der XL-Skulptur für die Kestnergesellschaft legen sich die Kupferplatten nun wie eine Haut um einen Körper, der nicht mehr existiert. Bock hat die Arbeit „Rauschen“ genannt. Vielleicht weil der Hohlkörper wie das Gehäuse einer Meeresschnecke aussieht, in der man nicht das Meer, sondern sich selber rauschen hört. Vielleicht verweist der Titel aber auch auf die Herkunft des Materials und das mediale Rauschen von Nachrichten, die uns alltäglich umgeben. Schließlich entstand das Hochhaus einst als Verlagsgebäude für die Zeitung Hannoverscher Anzeiger, später wurden hier die Nachrichtenmagazine Spiegel und Stern gegründet. In der Kestnergesellschaft sind von Bock zudem elf weitere Skulpturen und Installationen aus Keramik, Bronze und Holz zu sehen. Zeitgleich können die Besucher auf Vogelsuche gehen. Denn Fotograf Jean-Luc Mylayne konzentriert sich seit über 40 Jahren auf die Begegnung mit genau diesen Tieren. Gemeinsam mit seiner Ehefrau reist er den Vögeln von Südfrankreich bis in die Steppen der südwestlichen USA hinterher. Auf der Suche nach der perfekten Komposition investiert er für jede Aufnahme mehrere Monate, wählte präzise Licht, Wetter, Jahreszeit und Bildausschnitt. Mal hält er die Tiere offensichtlich als Porträt fest, mal muss das Auge des Besuchers das Foto erst abtasten, um den gefiederten Protagonisten überhaupt zu entdecken. Die analogen Bilder sind allesamt Unikate, jedes erzählt eine eigene Geschichte.     Katja Eggers

6.3.-17.5., Kestnergesellschaft; Vernissage: 5.3., 18.30 Uhr