Silvia Bovenschen: Lug und Trug und Rat und Streben

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Auf dem Rückendeckel zitiert der Verlag die Autorin: „Ich liebe mein Buch, aber ich kann es nicht empfehlen.“ Mysteriös? Raffiniert? Charmant? Nachfragen geht nicht, Silvia Bovenschen starb, kurz nachdem sie den Roman beendet hatte. Mit etwa 60 Jahren hatte die „feministische Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Essayistin“ (Wikipedia) ihr erstes belletristisches Werk verfasst, dies ist ihr vierter Roman. Große Teile spielen in einem etwas heruntergekommenen Wohnhaus, wo wir auf die Hauptfiguren treffen: Alma und ihre Nichte Agnes Lupinski, im Souterrain der grantige Herr von Bärentrost, später im Dachgeschoss Mr. Odino. Max, Enkel von Alma, hält sich hier so oft wie möglich auf. Zugleich reisen wir durch imaginäre Lese- und Bilderwelten, schließlich nach Mispelheim, wo obskure Gestalten ein irres Fest feiern. Ort und Zeit hält Bovenschen in der Schwebe, durchmischt mit Mythen und Legenden, erzählt souverän, eigenwillig, klug. Klar, dass ihr Satz gekontert wird: Das Buch ist sehr zu empfehlen.     dzn

S. Fischer, 208 Seiten, 20,-