Persephone Abbott: Ein rasch gesponnenes Netz

Buch-Abbott

Eine Gesangslehrerin steckt im kleinen niederländischen Städtchen Gouda fest – in einer gänzlich asymmetrischen Beziehung. Sie verdient kaum Geld, hat sich in die Abhängigkeit eines unsensiblen, manipulativen Technokraten begeben, der ihre Versuche, die Ehe zu retten, nur noch mit Spott bedenkt. Auch nach einer offenen Affäre des Mannes trennt sie sich nicht, vor allem weil sie das Zusammenleben mit einer egomanen, herrschsüchtigen Person nur allzu gut aus ihrer Kindheit kennt. Die Mutter! Großmetapher der ehelichen Zerrüttung ist die heruntergekommene, schimmelnde Bruchbude, die der ständig um die Welt jettende Mann ihr zur Liebe gekauft hat und aus halbbewusster Rache immer nur notdürftig bewohnbar hält. Durch die beinahe kammerspielhafte Konzentration auf das Haus als Ort der Handlung entsteht eine klaustrophobische Stimmung, die den Gemütszustand der Heldin einfängt.
Das Buch ist eine literarische Selbstermächtigung, der Versuch, die Herrschaft über das eigene Leben zurückzugewinnen – der Ernstfall mithin. Das macht seine Unausgewogenheit verständlich und etwaige ästhetische Defizite wett.     fs

Maro Verlag, 145 Seiten, 18,-