Mark W. Moffett: Was uns zusammenhält

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Menschen und Ameisen haben etwas gemeinsam. Sie bilden anonyme Gesellschaften. Obwohl sich die Angehörigen einer Ameisen-Superkolonie persönlich nicht kennen, akzeptieren sie sich – durch den Geruch. Menschen leben ebenfalls oft in großen Gruppen mit Fremden auf engem Raum. An die Gurgel gehen sie sich in der Regel trotzdem nicht. Bei Schimpansen sieht die Sache anders aus. Wer sich ins Gebiet einer anderen Gruppe wagt, wird von den unbekannten Artgenossen sehr wahrscheinlich getötet. Wie aber kriegen Menschen (und Ameisen) ihr friedliches Zusammenleben hin? In seinem 688-Seiten-Wälzer geht der Autor und Biologe Mark W. Moffet genau dieser Frage nach und arbeitet sich dabei einmal quer durch Psychologie, Soziologie und Anthropologie. Klingt langatmig, liest sich aber spannend wie ein Abenteuerroman. Denn Moffett nutzt zur Erklärung der Naturgeschichte der menschlichen Gesellschaft immer wieder Tiermodelle. Murmeltiere und Präriehunde werden dabei ebenso unter die Lupe genommen wie Pottwale und Nacktmulle. Der Autor geht zurück bis zu den Jägern und Sammlern, widmet sich aber auch aktuellen Fragen, wie etwa jener, nach welchen Grundprinzipien Gesellschaften Friedensprozesse und Konflikte organisieren und wann sie Fremde respektieren oder diskriminieren.     EG

S. Fischer, 688 S.