Malerei, Objekte, Fotografie: Abstrakte Feinheiten

Kunst-Drees-Johannes Kersting_Siam (extended)_Fotografie_Pigment Print_Acryl auf Holz_150x120x4cm_2016

In der Ausstellung “Urbane Begegnungen” in der Galerie Drees rücken drei Künstler die abstrakten Feinheiten der uns umgebenden Architektur in den Fokus.

Trotz menschenleerer Szenerien ist der Mensch in ihren Arbeiten jedoch präsenter denn je. Denn er hat seine Spuren hinterlassen, lässt seine Anwesenheit hinter Mauern und verschlossenen Türen erahnen oder scheint einfach tatsächlich gerade nicht da zu sein. Die Bilder von Daniel Behrendt fragen beispielsweise nach der Geschichte hinter der Architektur. Behrendt hat Hauswände und Mauern gemalt und dabei vor allem die ansonsten eigentlich eher unscheinbaren Details beleuchtet: Ecken, Winkel, Fenster, Eingänge, Durchgänge, eine Stufe, ein Vorsprung. Behrendt hat die Einzelheiten aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und ihnen durch seine kunstvolle Malerei in Öl auf Leinwand und die gezielte Wahl eines bestimmten Motivausschnitts eine eigene Ästhetik verliehen. Er hat gemalt und gespachtelt, die Oberflächen mal körnig, mal glatt gelassen. Motive hat der Künstler in der Stadt gefunden, als Vorlagen dienten eigene Fotos. Die Arbeiten strahlen nicht nur große Ruhe und Stille aus, sie beinhalten auch eine Gesellschaftskritik an den brutalistischen Bauten der 70er Jahre, die durch undurchdringliche Häuserfronten und verriegelte Fensterfassaden bestachen.
Architekturkritik an Gebäuden aus den 60ern und 70ern kommt auch bei Lorenz Estermann auf. Der Österreicher hat sie hinter teils ironisch und humorvoll wirkenden Modellen und Zeichencollagen versteckt. Sowohl die zwei- als auch die dreidimensionalen Arbeiten zeigen kurios anmutende Zusammensetzungen und Konstruktionen von Architektur, die sich nicht oder nur schwer verorten lässt. Ab 2003 hat Estermann Miniaturarchitekturen gebaut – Hochstände, Stadiontribünen, Gerüste und Rampen zum Beispiel. Estermann hat sie aus Pappe und Sperrholz zusammengezimmert. Welche Funktion sie haben bleibt allerdings unklar, der Sinn scheint oft einfach zu fehlen.
Johannes Kersting steuert schließlich fotografische Arbeiten bei. Auch er rückt Architektur und Oberflächenstrukturen in den Mittelpunkt. Seine Werke bewegen sich allerdings an der Schnittstelle zu Malerei und Objekt. Denn Kersting erweitert seine Fotoabbildungen durch installative oder gemalte Eingriffe über den Bildrand hinaus in den Raum hinein.     Katja Eggers

9.2.-5.5., Galerie Robert Drees; Eröffnung: 8.2., 19 Uhr