Jo McMillan: Paradise Ost

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Die Ich-Erzählerin Jess beginnt ihre Geschichte 1978 in einer englischen Kleinstadt: „In unserem Wohnzimmer hatten wir drei Uhren, die auf die Zeiten von Havanna, Moskau und Hanoi gestellt waren. Zu Hause konnte ich in jeder Zone des Ostblocks wohnen, ganz wie ich wollte.“ Während in England die harten Thatcher-Jahre beginnen, verkauft die 13-jährige Jess jeden Samstag im örtlichen Einkaufszentrum mit ihrer Mutter eine kommunistische Wochenzeitung – naja, am Ende legen sie die meisten Exemplare im Möbelladen aus. Dann wird die Mutter als Lehrerin zu Sommerkursen nach Ostberlin eingeladen und für die glühende Kommunistin geht ein Traum in Erfüllung: Endlich wird die belächelte Außenseiterin einmal geachtet. Jess fährt mit und berichtet so erfrischend und entwaffnend vom real existierenden Sozialismus und seinen irrwitzigen Widersprüchen, dass man zwischen Lachen und Weinen schwanken kann. Die tragikomische, autobiografisch gespeiste Geschichte reicht bis 1984: Jess ist Studentin und besucht ihre Mutter, die tatsächlich in die DDR ausgewandert ist. kr

Ullstein, 348 Seiten