Charles Bukowski: Über das Schreiben

Bukowski hält er nichts von Überarbeitungen. Man macht ein Gedicht nicht besser, man treibt ihm nur das Leben aus, wenn man daran herumbosselt. Vor allem stört es den Produktionsfluss, und der ist Bukowski heilig. Auschuss kalkuliert er durchaus mit ein, weil er auf die folgende Nacht vertraut. Was sich in diesen Briefen an „Weggefährten und Gönner“ einmal mehr zeigt, ist die Homogenität seiner ästhetischen und weltanschaulichen Äußerungen. Bukowski findet erst als Mittdreißiger professionell zum Schreiben, als er mit Magenbluten im Armenkrankenhaus eingeliefert wird und gerade noch einmal davonkommt. Seine Outcast- und Antikunst-Attitüde ist jetzt bereits von so viel Erfahrung gesättigt, dass er sie von nun an nur mehr variieren muss. Folglich hat diese geballte Ladung poetologischer Selbstauskunft auch ein paar Längen. Aber Bukowski weiß, was er seinem Gegenüber schuldig ist, und so fährt er sich immer wieder selbst in die Parade mit einem Witz auf eigene oder fremde Kosten, mit einer hübsch siffigen Anekdote aus seinem Alltag oder einer großspurigen Schimpfkanonade gegen den US-Literaturbetrieb.    fs
Kiepenheuer & Witsch, 279 Seiten, 18,-