Jürgen Gückel: Klassenfoto mit Massenmörder

Literatur1119-Buch Rezi-Jürgen Gückel

Stederdorf bei Peine im August 1961: Die Polizei holt einen Klassenlehrer aus dem Unterricht ab. Ein Gericht verurteilt ihn später wegen sechs
Massentötungen von geschätzt 6600 Juden in Minsker Ghettos zu zehn Jahren Gefängnis. Nach der Haft kehrt der Täter zurück nach Stederdorf und lebt dort zurückgezogen bis zu seinem Tod im Jahr 1989. Im Dorf wurde seinerzeit zwar getuschelt, die wahren Hintergründe erfuhr jedoch niemand. Der Journalist und langjährige Madsack-Redakteur Jürgen Gückel hat die wahre Geschichte jetzt enthüllt. Der verurteilte SS-Mann war sein Klassenlehrer Artur Wilke, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Identität seines Bruders annahm. Gückel war bei Wilkes Verhaftung dabei, das Erlebte hat ihn nie ganz losgelassen. Durch jahrelange Recherche ist es ihm gelungen, gleichermaßen die Entwicklung eines Intellektuellen zum Täter und das Wegsehen der Gesellschaft aufzuzeigen. Sein Buch „Klassenfoto mit Massenmörder. Das Doppelleben des Artur Wilke“ ist eine gelungene Mischung aus Nazi-Biographie und historischem Sachbuch, aber auch für Nicht-Historiker verständlich und obendrein spannend geschrieben.     EG

Vandenhoeck & Ruprecht, 295 S.