John Darnielle: Rekorder

Buch-Darnielle-Rekorder

Die Neunziger in Iowa. Jeremy arbeitet in einer Videothek, selbst in diesem Hinterwäldler-Staat ist das bereits ein auslaufendes Geschäftsmodell. Es tauchen merkwürdig modifizierte Videotapes auf, in denen jemand verstörend gewalttätige Szenen hineingeschnitten hat. Mehr darf man nicht verraten, weil das Rätsel diesen Roman bis zum Schluss auf Spannung hält. Und weil das schon mehr als der halbe Spaß ist, lesend nachzuvollziehen, wie souverän der Autor diesen gar nicht so komplexen Plot über viele Umwege inszeniert. Er spielt mit der mäandernden Dramaturgie eines Kriminalromans, auch wenn man schon bald ahnt, dass es hier nicht um ein Verbrechen geht. Darnielles braucht solche narrativen Umwege. Er bekommt so Gelegenheit, ein liebevolles und vor allem ziemlich plastisches Porträt vom Alltag im mittleren Westen zu zeichnen. Dabei kann er ein ziemliches Pfund in die Waagschale legen, sein Gespür für das Atmosphärische, für die besonderen Stimmungen in diesem Landstrich.     Frank Schäfer

Eichborn, 280 Seiten, 20,-