Johanna Holmström: Die Frauen von Själö

Lesung0519-Rezension-Die Frauen von Själö

In ihrem Roman „Die Frauen von Själö“ erzählt Johanna Holmström vom Schicksal dreier Frauen. Verbindendes Element ist die Insel Själö im Schärengarten Finnlands. Alle drei Frauen haben dort in der Nervenheilanstalt gelebt. Zwei als Patientinnen, eine als Pflegerin. Die Geschichte beginnt 1891. Kristina lebt nach der Geburt eines unehelichen Kindes mit neuem Partner am Rande der Gesellschaft. Als Einari zur See fährt, ist sie mit dem Alltag und der Einsamkeit so überfordert, dass sie ihre Kinder im Meer ertränkt. Sie landet auf Själö, wo es für Patientinnen wie sie keine wirkliche Therapie gibt und alles eher an ein Gefängnis für Ausgestoßene als an eine Heilanstalt erinnert. Ein Zeitsprung führt ins Jahr 1930. Die 17-jährige Elli wird auf Själö eingewiesen, nachdem sie mit ihrem Geliebten vor der Polizei geflohen ist. Dritte ist die Krankenschwester Sigrid. Sie begegnet den Patientinnen mit Mitgefühl und Verständnis, stößt aber häufig an Grenzen. Im Buch bleiben die drei Geschichten Einzelschicksale. Die Handlung ist bildreich, schonungslos und fesselnd erzählt und bewegt wegen ihres schweren Themas: Frauen, die nach Freiheit und Liebe strebten und in der Eintönigkeit und Abgeschiedenheit von Själö schier zerbrechen.“     EG

Ullstein, 368 S.