Fotografie: Posen fürs Porträt

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Die Stiftung Niedersachsen vergibt wieder den Spectrum Internationalen Preis für Fotografie. Neben 15.000 Euro winken dem Preisträger eine Ausstellung im Sprengel Museum und die Produktion einer Künstlerpublikation. Über all das darf sich diesmal Rineke Dijkstra (geb. 1959) freuen. Die Niederländerin gehört zu den herausragenden Fotografinnen der Gegenwart und nimmt mit ihren klassischen Porträts in der neueren Fotografiegeschichte eine solitäre Position ein. In ihrer Ausstellung „Figures in Motion“ wird Dijkstra mit ihren Porträts in einen Dialog mit Werken aus der Sammlung des Sprengel Museums treten. In Konfrontation gehen dann zum Beispiel Dijkstras „Beach Portriats“ aus den frühen Neunzigern und aktuelle Gemälde von Max Beckmann und Alexej von Jawlensky.
Die Fotografin aus Amsterdam hat für die Schau Porträts ausgewählt, die zeigen, dass sich viele der Dargestellten des Fotografiertwerdens sehr bewusst sind. Die Bilder halten die Spannung zwischen dem Ideal der entspannten Selbstdarstellung und der angespannten Pose fest. Da sind zum Beispiel die beiden Jungs, die vor der Kamera stolz posieren, sich dabei gleichzeitig unwohl fühlen und das zum Ausdruck bringen, indem sie auf dem Bild die Knie durchdrücken und nicht wissen, wohin mit ihren Armen. Oder die Russinnen Marianna und Sasha: Auf dem Foto sitzen und stehen sie und bekennen sich mit ihrer künstlichen Arm- und Beinhaltung beinah zwanghaft zum Tanz. Fast groteske Verrenkungen führen auch die elf Mädchen in einem Video aus – während ihres Trainings der rhythmischen Sportgymnastik nehmen sie unnatürliche Haltungen ein und versuchen dabei, jeden Ausdruck von Anstrengung und Gefühlsregung zu unterdrücken.    eg

27.1.-6.5., Sprengel Museum;
Eröffnung und Preisverleihung: 26.1., 19 Uhr