Fotografie: Nicht niedlich!

CAIRO 1996

In der GAF zeigt Michel Vanden Eeckhout bittersüße Tierfotografie. Ouakari kann einem leidtun. Der kleine Affe presst seine dünnen Händchen fest an die Glaswand. Mit seinem kahlen, verschrumpelten Kopf, dem langen, weißen Fell und dem halboffenem Maul, aus dem die Eckzähne herausragen, wirkt er einerseits monsterhaft angsteinflößend, andererseits aber auch zutiefst anrührend. Er scheint den Zoobesucher anzuflehen, ihn endlich aus seinem Gefängnis zu befreien. Der Affe hinter der Glaswand ist eins von vielen Motiven, mit denen Michel Vanden Eeckhout die Gefangenschaft von Tieren thematisiert. Die Galerie für Fotografie (GAF) widmet dem Fotografen jetzt eine Einzelausstellung. Es ist eine Retrospektive, Vanden Eeckhout ist 2015 nach langer schwerer Krankheit gestorben. Der Belgier war ein Streethunter. Sein Jagdgebiet: die Straßen der Welt und immer wieder auch der Zoo. Ob Löwe oder Gorilla – Michael Vanden Eeckhout hat mit seiner Leica-Kamera immer wieder Vierbeiner abgelichtet. Niedlich sind die Schwarzweißaufnahmen nie, reißerisch aber auch nicht. Stattdessen wirken sie oft verstörend, ja fast surreal und eben auch ein wenig humorvoll. Denn Michael Vanden Eeckhout mag die Mehrdeutigkeit, die Gleichzeitigkeit von Humor und Schmerz, von Leichtigkeit und Angst. „Diese beiden Facetten sind in meiner Arbeit immer präsent. Das Leben ist so“, hat er einmal im Interview gesagt. Um den Betrachter möglichst viel Freiraum zu lassen, beschränkt er die Legenden zu seinen Bildern bewusst auf das Nötigste. „Ich mag es, dass die Bilder Fragen stellen, die zum Nachdenken anregen“, betonte er. Viele der Werke versteht der Betrachter erst auf den zweiten Blick. Dann, wenn sie – wie das Porträt von Oukari – die Seele treffen und sich eine gewisse Bitterkeit einstellt. „Bittersweet“ heißt denn auch die Fotoschau in der GAF.     EG

4.4.-5.5., Galerie für Fotografie (GAF); Vernissage: 3.4., 19 Uhr