Fotografie: Malen mit Fotos

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Ihre Bilder sind harmonische Kompositionen aus geometrischen Flächen, koloristischen Kontrasten, Licht und Schatten. Bauhaus und der Konstruktivismus lassen grüßen. Dennoch spricht Barbara Kasten eine eigenständige fotografische Bildsprache. Das Kunstmuseum Wolfsburg widmet der US-amerikanischen Künstlerin jetzt erstmalig in Europa eine Überblicksausstellung. Die heißt schlicht „works“ und umfasst frühe Skulpturen, konstruktivistische Fotografien und neue installative Videoarbeiten. Im Zentrum stehen Kastens abstrakte Fotografien. Vor ihrem Fotografie- hat die Chicagoerin ein Malereistudium absolviert. Mit den Ideen des Bauhauses hat sie sich in den 1960ern in Deutschland auseinandergesetzt. Zurück in den USA konzentrierte sie sich auf die Entwicklung von Fiberglasskulpturen und experimentierte mit alternativen Fototechniken. Gern verwendete sie einfach Materialien wie Fliegengitter, Plexiglas und Spiegel. Ihr Ziel war es, das Medium Fotografie in ein malerisches Konzept zu überführen. Wichtig waren Licht und Schatten. Die Alltagsmaterialien wurden zunächst in Schwarz-Weiß-Ästhetik und später durch buntfarbige Beleuchtung inszeniert und so ihrem alltäglichen Kontext enthoben. Die verschiedenen Haptiken der Oberflächen wurden besonders herausgearbeitet und Unebenheiten, Bruchkanten und Knicke bewusst nicht kaschiert. Später entstanden analoge Fotografie-Serien mit US-amerikanischen Gebäuden. Kastens jüngst entstandene Videos beziehen derweil reale Raumobjekte mit ein und werden zum Beispiel auf Skulpturen projiziert. Zeitgleich zeigt das Kunstmuseum unter dem Titel „Zwischenwelten“ noch weitere spannende Fotoarbeiten – und zwar die von Ulrich Hensel. Der Düsseldorfer Künstler arbeitet sich seit über zwei Jahrzehnten hauptsächlich an einem Motiv ab: Baustellen. Hensel hat sie nicht etwa zufällig gefunden, sondern bei langwierigen Recherchewanderungen vielmehr ausgesucht. Hensel arbeitet mit seinen Baustellen-Fotos geradezu malerisch und rückt darin oft großflächige Farbfelder aus unterschiedlichsten Baumaterialien in den Fokus. Raster, Punkte, Befestigungsvorrichtungen, Eisengitter – alles breitet sich über die Bildfläche aus, die Bilder wirken dadurch nahezu abstrakt.     EG

21.3.-2.8., Kunstmuseum Wolfsburg; Vernissage: 20.3., 19 Uhr