Eliot Weinberger: Vogelgeister

Buch-Weinberger

Eliot Weinberger ist einer, der das Unbekannte und Exotische sucht, der neugierig durch die Welt reist, noch neugieriger aber durch die Bibliotheken, um aus den ablegensten Orten, Wissensgebieten, Kulturen und Zeiten abstruse Geschichten mitzubringen. Hinter seiner programmatischen Weltoffenheit steht ein radikales Aufklärungsprogramm. Im fremden Irrsinn offenbart sich nämlich immer auch der eigene. Wer den demütig geglaubten Aberwitz einer fremden Kultur durchschaut, wird die eigenen Gewissheiten nicht mehr ganz so vorbehaltlos hinnehmen. Und wer die Schönheit, Barmherzigkeit, Anmut anderer erkennt, wird leichter von eigenen Überlegenheitsvorstellungen absehen können. Am glänzendsten sind seine „seriellen Essays“ – so nennt er seine Textmontagen, die aus der Anordnung und Kombination unterschiedlichster Lektürefrüchte und Wissensfunde poetische Funken schlagen –, wenn der Spot auf das Fremde durch einen jähen Perspektivenwechsel auch das Eigene in ganz neues Licht taucht. Nicht immer verbindet sich sein Spielmaterial zu einem geschlossenen Ganzen. Bisweilen bleibt es bei einem kulturhistorischen Kuriositätenkabinett. Schlimmstenfalls gibt es eben bloß was zu staunen.    fs
Berenberg, 141 Seiten, 22,-