Tanz-Festival: Listige Lebenslust

Bühne-Eisfabrik-jaccard schelling

Commedia Futura präsentiert das Festival „tanzOFFensive 2018“ mit internationalem aktuellem Tanztheater.

Die Commedia Futura feiert den 30. Jahrestag der Eröffnung des Schwarzen Saals in der Eisfabrik mit einem üppigen Festival: Die „tanzOFFensive 2018“ präsentiert ganze 20 Abende mit aktuellem Tanztheater. Zur Eröffnung zeigt Maura Morales das Solo „Exceso de la nada“ (Überfluss des Nichts). Es geht um ihre Heimat Kuba, die sie 1996 verlassen hat, nachdem sie „mit 6 Jahren gelernt hatte zu tanzen, mit 10 Jahren wie man eine Kalaschnikow benutzt und mit 18 Jahren, dass die Geschichte meines Landes eine Lüge war“. Aus Prag kommen Lenka Vagnerová & Company mit dem Duett „Mah Hunt“, in dem es zwei Menschen mit der Jagd versuchen wollen. Doch wie leicht kann der Jäger selbst zum Gejagten werden? „Dieses erstaunliche, inspirierende Stück physisches Theater sprengt die Grenzen all dessen, was ich bis dahin gesehen habe“, schrieb eine britische Kritikerin.
In „Trickster – Fang mich, wenn du kannst!“ inszeniert der junge Objektkünstler Jan Jedenak ein Spiel mit der Sehnsucht nach Verwandlung, inspiriert von der mythologischen Gestalt der Tricksterfigur und Jahrmarktsspielen. Das Publikum wird dabei selbst zum Strippenzieher des Geschehens: „Mal Geist, mal Tiergestalt, mal Halbgott lockt Jan Jedenak als Moderator, Erzähler und Spieler seine begeisterten Zuschauer in Versuchssituationen…“, schrieben die Stuttgarter Nachrichten über dieses choreografische Theater, das als Abschlussarbeit an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart entstanden ist.
Das Schweizer Künstlerduo Béatrice Jaccard und Peter Schelling zeigt die Konzert-Trickfilm-Performance „Clouds in my Room“, die anlässlich zum eigenen 30-jährigen Bühnenjubiläum entstanden ist und sich immer weiterentwickelt: „Eine Frau will sich mit Fantasie, Tanz und listiger Lebenslust die ganze Welt aneignen. Sie fragt sich, wo sie selbst aufhört und wo der Rest der Welt beginnt. Und ob sie eher ihr Arm oder ihr Gedächtnis ist.“ Zu Ehren des amerikanischen Komponisten John Cage präsentiert Esklan Art’s Factory aus Italien „4 John“, eine Studie über Geräusch und Stille, über Klangphänomene und ihre Dynamik. Das Zusammenspiel von Künstlern und Publikum beeinflusst dabei die Ausführung und Dauer der Tanzperformance. Die portugiesische Tänzerin und Choreografin Liliana Barros hat einen starken Solo-Auftritt: In „Nervure“ zeichnet sie das Bildnis einer gefallenen Ikone, halb Clown, halb tragische Figur.
Ferenc Fehér aus Budapest zeigt zwei Choreografien: Sein preisgekröntes Solo „Imago“ ist eine Mischung aus Physical Dance, Freestyle und Bewegungen, zu denen er sich von Tieren inspirieren ließ. Über das Duett „Station“ schreibt er: „Dies ist nicht die Geschichte einer netten Familie, die am Bahnhof wartet. Wir waren drei Jahre alt, als wir verschwanden … Wissen wir wirklich genau, wer wir einmal waren und was aus uns geworden ist?“
Im Rahmenprogramm des Festivals gibt es zudem Workshops, Film und Musik.     Karen Roske

2.2.-10.3., Eisfabrik