Made in Germany Drei: Mehr Kunst geht nicht!

Installation "Salamanderbrunnen" von Veit Laurent Kurz (2016)Installation "Salamanderbrunnen" von Veit Laurent Kurz (2016)

Deutschlands Kunstszene ist in Hannover zu Gast: Sprengel Museum, Kestner Gesellschaft und Kunstverein laden zur gemeinsam Megaschau „Made in Germany Drei“ ein.

Venedig hat die Kunst-Biennale, Kassel feiert seine documenta, und Hannover präsentiert vom 3. Juni bis zum 3. September „Made in Germany Drei“. Die Drei steht im Titel für die mittlerweile dritte Auflage der Schau. Zu sehen sind erneut zeitgenössische Arbeiten deutscher und ausländischer Künstler, die in Deutschland leben und arbeiten. Diesmal rückt jedoch das „Made“ im Titel in den Fokus – es geht vor allem um aktuelle Produktionsbedingungen. Die gezeigten Arbeiten drehen sich dabei um drei zentrale Aspekte: den Raum und somit den Produktionsort, die Zeit und damit den Arbeitsprozess und schließlich die Produktionsstruktur im Sinne von Kooperation und Netzwerk. Viele Arbeiten entstehen direkt vor Ort, allerdings nicht während der Ausstellung und auch nicht unbedingt live vor den Augen der Besucher, sondern vielmehr im Vorfeld. „Die Künstler machen das Museum zu ihrem Studio oder Atelier und beziehen sich oft auch auf die Räume und ihre Architektur“, erklärt Gabriele Sand, Kuratorin im Sprengel Museum. Wie die Arbeiten am Ende wirklich aussehen, wird oftmals erst bei der Eröffnung ersichtlich. „Das macht das Ganze auch für uns sehr spannend“, sagt Kuratorin Ute Stuffer vom Kunstverein.
Insgesamt werden rund 40 ausgewählte künstlerische Positionen gezeigt. Es gibt sowohl Einzelkünstler als auch Paare oder Gruppen. Der Trend geht zum Kollektiv. Zu BPA (Berlin Program for Artists) haben sich beispielsweise neun Künstler zusammengeschlossen. Das Numen besteht ebenfalls aus mehreren Akteuren. Alles in allem ist die Schau eine große Bestandsaufnahme des Kunstschaffens in Deutschland, die aktuelle Trends künstlerischen Denkens und Produzierens aufzeigt. Wer ausstellen darf, haben jeweils zwei Kuratoren aus jedem Haus gemeinsam entschieden. Ein Bewerbungsverfahren gab es nicht. „Wir haben uns viel angeschaut, Ateliers besucht, uns in unzähligen Sitzungen gegenseitig unterschiedliche Positionen vorgestellt und dann diskutiert, welche Arbeiten in welchen Häusern Sinn machen und zu welcher Architektur passen könnten“, erklärt Sand die Arbeit im Vorfeld.
Niedersachsen wird bei „Made in Germany Drei“ von dem hannoverschen Künstlerpaar Lotte Lindner und Till Steinbrenner, Fotografin Carina Brandes aus Braunschweig und Leipzig und dem Hannoveraner Sascha Hahn präsentiert. Von Hahn sind im Sprengel Museum großformatige Siebdrucke und Folienbilder zu sehen, die eigens für die Ausstellung entstanden sind. Sie gehören bei „Made in Germany Drei“ zu den wenigen Arbeiten, die klassisch gerahmt daher kommen und an den Wänden hängen. Die Mehrheit der Kunstwerke sind Digitales und vor allem Installationen. Lena Henke gestaltet im Skulpturenhof des Museums beispielsweise eine große Installation mit Skulpturen. Yorgos Sapountzis arbeitet mit 30 Skulpturen aus der Sammlung. Spektakuläres kommt auch von Das Numen: Die Künstler hängen im Sprengel Museum fünf Orgelpfeifen auf, messen überall auf der Welt den Wind und übertragen ihn in Gebläse. Je nach Windstärke gibt es in Hannover dann einen Ton. „Eine Klanginstallation mit der Natur als Komponisten“, schwärmt Sand. Stuffer freut sich im Kunstverein derweil auf Peles Empire. Das Duo wird im großen Oberlichtsaal eine raumgreifende Installation präsentieren und mit DIN A4-Ansichten des eigenen Ateliers den gesamten Boden tapezieren. Fragmente des Bodens werden in der Installation zudem auf Teppichen an den Wänden aufgegriffen. Die Entstehung der aufwändigen Arbeit vor Ort dürfte laut Stuffer etwa eineinhalb Wochen dauern.
Für „Made in Germany“ haben sich Sprengel Museum, Kunstverein und Kestner Gesellschaft 2007 erstmals zusammengeschlossen und die Schau gemeinsam konzipiert. 2012 wurde die Ausstellung erneut ausgerichtet. Die Schauen lockten seinerzeit Zehntausende Besucher nach Hannover. In diesem Jahr packen die Macher noch eins drauf und haben erstmals weitere kulturelle Partner mit ins Boot geholt. Schauspiel Hannover, Festival Theaterformen und Kunstfestspiele Hannover ergänzen das Programm mit spartenübergreifenden Projekten und zeigen die sich wandelnden Produktionsbedingungen von Theater und Performance auf. Die Gattungen Bildende Kunst und Schauspiel werden sich dabei vermischen und obendrein aus den Häusern herausgehen. Das Theaterprojekt „Sometimes I think I can see you“ des Argentiniers Mariano Pensotti wird beispielsweise eine U-Bahn-Station bespielen. Victoria Coeln schafft mit ihrer Intervention „Painting the Night“ derweil im Großen Garten Herrenhausen durch das Zusammenspiel von farbigem Licht, Hecken, Bäumen, Wegen und Wiesen Bilder und Erfahrungsräume: Vor den Augen der Zuschauer wird die bekannte Gartenarchitektur in Bewegung geraten. Das Veranstaltungsprogramm umfasst darüber hinaus Diskussionen, Performances, Filme und Künstlergespräche.
Katja Eggers

Bis 3.9., Sprengel Museum, Kestner Gesellschaft und Kunstverein