Karikatur: Kante zeigen

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Gerhard Haderer zeigt Kante.
Mit subtilem Humor und feiner Ironie bezieht der Großmeister der gezeichneten Satire seit Jahren deutlich Position gegen Populismus und Größenwahn.

In seinen Cartoons hält der Österreicher der Gesellschaft einen Spiegel vor, entlarvt Missstände und Allmachtsphantasien, antwortet mit Satire und Ironie auf Tabus und Doppelmoral. Das Themenspektrum ist dabei vielfältig und reicht von der Flüchtlings- und Finanzkrise über bürgerliche Scheinmoral und die Konsumgesellschaft bis hin zur Welt des Sports (gern Fußball) und den Blick hinter die Kulissen des Vatikans. An der katholischen Kirche könne man sich gar nicht genug abarbeiten, sagte Haderer mal in einem Interview. Für sein Buch „Das Leben des Jesus“ hagelte es denn auch prompt Kritik. In Griechenland wurde Haderer wegen Blasphemie angeklagt und in erster Instanz zu sechs Monaten Haft verurteilt. Das Berufungsgericht sprach den Zeichner von den Vorwürfen, die orthodoxe Religionsgemeinschaft beleidigt zu haben, aber wieder frei. Neben treffsicheren und fotografisch anmutenden Cartoons in Acryltusche zeigt das Wilhelm Busch Museum von Haderer auch großformatige Ölgemälde in altmeisterlicher Manier und obendrein Handpuppen. Eine Puppenwerkstatt hat sie nach Haderers Entwürfen für das Rabenhof-Theater in Wien angefertigt. Mit dabei: Niki Lauda, Heinz Fischer und Waldimir Putin. Zeitgleich zeigt das Museum unter dem Titel „Technische Paradiese. Die Zukunft in der Karikatur des 19. Jahrhunderts“, wie Karikaturisten sich künstlerisch mit der technischen Revolution und ihren umwälzenden Veränderungen für Mensch und Gesellschaft auseinandergesetzt haben. Zu sehen sind mehr als 200 Einzelblätter. Spott und Begeisterung kommen  gleichermaßen zum Ausdruck, etwa wenn ein Heißluftballon zum Feuer speienden Drachen wird oder ein Dampfross als schnaufender Stier dargestellt ist.    eg

Bis 9.7.; Wilhelm Busch Museum