Rembetiko: Ausflug aufs Dorf

Das Mini-Dorf heißt Rembetiko. Der Name bezeichnet den sinnlichen Blues der Griechen. Jene schwermütige Musik über das Leben und die Liebe, die griechische Übersiedler 1922 aus Kleinasien mit ihrer Ess- und Kochkultur nach Griechenland brachten. Zu lesen ist all das auf den bedruckten Sets, die im Rembetiko auf den Tischen liegen und obendrein als Getränkekarte fungieren. Das Rembetiko will die dort beschriebene Genusskultur nun unter dem Motto „Orient trifft Okzident“ fortsetzen und erklärt auf den Sets auch gleich noch, wie’s am besten geht: Gegessen wird mit Freunden, alle Gerichte werden geteilt. Das sollte zu schaffen sein. Wir sind zu sechst und sitzen unter großen Oliven- und Ahornbäumen mit Kunststoffblättern. Lichterketten verbreiten sanftes Licht. Um uns herum sind Häuserfassaden angedeutet. In einem Brunnen plätschert Wasser, aus den Boxen erklingt griechische Musik. Mittelmeer-Urlaub lässt grüßen. Wir bestellen, jeder etwas anderes. Und so stehen nach Ouzo und Weißbrot mit Olivenöl und Salz schließlich diverse Vor- und Hauptspeisen wie gebackener Fetakäse im Sesammantel, gebratene Zucchini, Langkornnudeln, Lammspieß mit Gemüse, Bulgur, Joghurt und scharfe Peperoni, frittierte Kartoffelstäbchen, Giros und Fleischspezialitäten vom Grill auf dem Tisch. Ich steuere noch Thunfischpüree und Dorade Royal mit Backkartoffeln und Zitronensauce bei. Der Fisch kommt frisch vom Rembetiko-Marktplatz, wo er zuvor in der Glasvitrine auf Eis lag. Auf Wunsch bekomme ich die Dorade am Tisch filetiert. Das scheint im Rembetiko nicht oft der Fall zu sein. Der Kellner hält jeden Handgriff seiner Kollegin mit der Handykamera fest. „Für Facebook“, sagt er. Meinetwegen, mir ist ja vor allem das Ergebnis wichtig. Bei Fisch bin ich kritisch. Auszusetzen habe ich aber rein gar nichts. Die Dorade ist erstklassig filetiert, ihr Fleisch ist weiß und fest und dennoch wunderbar zart und angenehm würzig. Dazu nur etwas Saft aus der Zitronenscheibe – so muss die Goldbrasse sein! Nach Rembetiko-Manier probiere ich auch noch von den anderen Essen. Auch lecker, aber meine Dorade finde ich trotzdem am besten. Freunde und Familie sind ebenfalls zufrieden. Alle mümmeln munter vor sich hin, lachen, reden, nehmen sich hier ein Löffelchen vom Nachbarteller und schieben sich gegenseitig Häppchen in den Mund. Griechischer geht’s doch gar nicht!    Katja Eggers

Rembetiko, Brabeckstr. 168, Bemerode, Tel. 12 37 41 52