Trautmann: Vom Kriegsfeind zum Helden

Trautmann2-Square One Entertainment

„Traut the Kraut“ – so beschimpften die Fans Bert Trautmann, als er 1949 zum ersten Mal als Torwart von „Manchester City“ zwischen den Pfosten stand. Als Kriegsgefangener kam Trautmann auf die britische Insel und stieg in 590 Spielen vom verhassten Feind zur gefeierten Fußball-Legende auf. In Marcus H. Rosenmüllers Biopic „Trautmann“ spielt David Kross den deutschen Wehrmachtssoldaten, der 1945 in einem Lager in der Nähe von Manchester interniert und von dem Lebensmittelhändler Jack Friar (John Henshaw) als Ladenhilfe und Torwart für sein Provinz-Team akquiriert wird. Mannschaft und Publikum in St. Helens sind wenig begeistert über den Nazi-Keeper, aber der „Kraut“ hält den Kasten sauber und verhindert den drohenden Abstieg. Nicht nur auf dem Spielfeld erarbeitet sich Trautmann allmählich die Sympathien der Engländer. Auch die Tochter des Ladenbesitzers Margaret (Freya Mavour) lässt ihre Ressentiments allmählich fallen. Rosenmüller bedient in „Trautmann“ die klassische Sportfilm-Dramaturgie, die den mühsamen Aufstieg eines Außenseiters über Rückschläge bis zum finalen Triumph vorsieht. In diesem Fall ist dies das legendäre Finale zwischen Manchester und Birmingham 1956, das Trautmann in den letzten 15 Spielminuten mit einem gebrochenen Halswirbel absolvierte. Aber die sportliche Erfolgsstory ist hier nur ein Vehikel: Der eigentliche „goal“ des Filmes ist die gesellschaftliche Integration des ehemaligen Kriegsfeindes. Vor dem Kontext heutiger Integrationsdebatten verfehlt eine Geschichte, in der sich ein Deutscher seinen Platz in einer ihm feindlich gesonnenen Umgebung erarbeiten muss, nicht ihre Wirkung. Rosenmüller zeigt den verständlichen Hass auf den Kriegsgefangenen in aller Deutlichkeit, um den steinigen Weg hin zur Versöhnung abzuwandern. Da hätte man sich allerdings noch mehr Tiefe und Mut zu offenen Widersprüchen gewünscht, gerade auch wenn es um die Bewältigung soldatischer Schuldtraumata geht. Mit erstaunlichem Geschick lehnt sich „Trautmann“ an die Textur britischer Feel-Good-Movies an. Und hier zeigt sich wiederum Rosenmüllers Stärke, der in der englischen Working-Class der Nachkriegszeit sein Gespür für soziale Milieus beweist.     Martin Schwickert
D 2019,
Regie: Marcus H. Rosenmüller; mit David Kross, Freya Mavor, Josh Henshaw
Start: 14.3.