The Peanut Butter Falcon: Von Träumen und Freundschaft

So putzig verwunderlich der Titel, so bezaubernd gerät diese amüsante Feelgood-Geschichte um Freundschaft und Träume. Nur mit einer großen Unterhose bekleidet, begibt sich der 22-jährige Zak eines Nachts auf die Flucht. Zufällig trifft er auf den lokalen Outlaw Tyler. Normal sind beide nicht. Der eine ist Mensch mit Down-Syndrom. Den anderen werfen alte Schuldgefühle aus der Bahn. Auf ihrer Flucht erlebt das ungleiche Duo amüsante Abenteuer à la Mark Twain – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Von „Unser Walter“ über „Am achten Tag“ bis zu „Glee“ standen Darsteller mit Down Syndrom erfolgreich vor der Kamera. Zack Gottsagen setzt diese Tradition erfolgreich fort. Und lässt mit seinem unbekümmerten, gleichwohl ernsthaften Spiel seinen Partner Shia LaBeouf zu Hochform auslaufen. Der „Transformers“-Star hat nicht erst seit „Nymphomanic“ gezeigt, dass er mehr kann als Popcorn-Kino. Dem Regie-Duo Tyler Nilson und Michael Schwartz gelingt mit seinem Kinodebüt ein veritabler Coup. Sie erzählen ihre warmherzige Tragikomödie ohne Kitsch-Kalorien, dafür mit viel Empathie für ihre Figuren. Die emotionalen Momente gelingen plausibel, etwa wenn der 22-Jährige von Diskriminierungen in seinem Leben erzählt. Fast minimalistisch wird mit kurzen Rückblenden das Trauma von Tyler skizziert. Ähnlich effizient fällt das flotte Finale aus. Visuell überzeugt das Buddy-Abenteuer durch oft poetische Bilder. Ob bei ruhigen Floßfahrten oder lautem Getöse, mit dem die Wrestling-Figur dank Erdnuss-Butter am Lagerfeuer kreiert wird. Komische Einlagen sorgen regelmäßig für die nötige Auflockerung. Der erste Schießversuch von Zak hat ähnliche Slapstick-Qualitäten wie dessen Flucht durch ein enges Fenstergitter. Das bewegende Buddy-Abenteuer erweist sich als amüsantes Feelgood-Movie, das stets die richtigen Töne trifft. Eine schöne Bescherung, nicht nur zu Weihnachten.     Dieter Oßwald

USA 2019;
Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz; Darsteller: Shia LaBeouf, Zack Gottsagen, Dakota Johnson, Bruce Dern;
5 Punkte