The Commuter: Gefährlicher Deal

Film-Commuter

Auch mit seinen 65 Lebensjahren nimmt man Liam Neeson als „The Commuter“ den Actionhelden immer noch ab.

Während andere sich im Fitnessstudio ihre imposante Muskelpracht mühsam antrainieren müssen, umgibt den hoch gewachsenen Iren mit der markant gebrochenen Nase eine gewisse Natur-Coolness. In Jaume Collet-Serras „The Commuter“ spielt er den klassischen Jedermann, der unter Druck geraten über sich selbst hinaus wächst. Seit zehn Jahren pendelt Michael MacCauley jeden Tag mit dem Vorortzug nach Manhattan, wo er sich als Versicherungsmakler verdingt. Das Geld reicht gerade so, um das Haus abzubezahlen und dem Sohn das Studium zu finanzieren, nachdem die familiären Ersparnisse beim letzten Bankencrash flöten gegangen sind. Aber dann wird Michael von einem Tag auf den anderen gekündigt und als er abends am Grand Central in den überfüllten Zug steigt, setzt sich eine Frau (Vera Farmiga) neben ihn. Sie bietet ihm eine beträchtliche Summe für eine kleine Gefälligkeit an. Er soll eine Person im Zug ausfindig machen, in deren Tasche sich etwas von großer Wichtigkeit für die Auftraggeber befände. Zum Rekrutierungsangebot gesellen sich noch Drohungen gegen Frau und Kind. Widerstrebend lässt sich Michael auf den Deal ein und macht sich im Zug auf die Suche. Nahezu in Echtzeit inszeniert Collet-Serra seinen ÖPNV-Thriller und knüpft dabei an eigene Rezepturen an. In „Non Stop“ hatte er vor drei Jahren Liam Neeson als Airmarshal auf einem Transatlantikflug gegen einen erpresserischen Mörder antreten lassen. War dort die klaustrophobische Enge das treibende Moment, ist es nun die unausweichliche Motorik des Zuges, die den Wettlauf mit der Zeit in Gang hält. „The Commuter“ ist ein Film, der ununterbrochen in Bewegung ist. Kameramann Flavio Martinez Labiano und Cutter Jim May erschaffen einen hochdynamischen Bildfluss, der das Publikum permanent in Atem hält. Und so ist es neben Neesons erdiger Performance fern aller Superheldenposen vor allem die pure kinetische Energie, die den Film über so manche Ungereimtheit im Verschwörungsplot souverän hinweg trägt.    Martin Schwickert
USA/F/GB 2017.
Regie: Jaume Collet-Serra; mit Liam Neeson, Vera Farmiga u.a.;
Bundesstart: 11.1.