Peppermint: Charles Bronson lässt grüssen

Film-Peppermint

In Filmen wie „96 Hours“ mit Liam Neeson, „From Paris with Love“ mit John Travolta und „The Gunman“ mit Sean Penn hat der französische Regisseur Pierre Morel seine prominenten Darsteller als geradlinige Gerechtigkeitsvollstrecker in Szene gesetzt. Genau das Gleiche tut er nun in „Peppermint“, nur eben mit einer weiblichen Hauptfigur. Als die Bankangestellte Riley North (Jennifer Garner) mit ansehen muss, wie Mann und Kind von vorbeifahrenden Drogengangstern mit Maschinenpistolen niedergemäht werden und der bestochene Richter die Täter frei spricht, taucht sie unter – und drei Jahre später wieder auf. In der Zwischenzeit hat sich die trauernde Witwe solide Nahkampf-Fertigkeiten angeeignet und ein veritables Waffenarsenal zugelegt. Nacheinander knüpft sie sich die Täter, deren kriminelle Hintermänner sowie die korrupten Justizvertreter vor und nimmt dabei wenig Rücksicht auf Kollateralschäden. Als weibliche Charles-Bronson-Reinkarnation wütet Jennifer Garner auf der Leinwand und geht dabei genau so zielgesteuert und rücksichtslos vor wie ihre männlichen Genrekollegen. Wenn sie ihre Platzwunden mit einem Büroklammeraffen versorgt, weht sogar ein Hauch von Bruce Willis’ „Stirb langsam“ durch den Film. Garner macht ihre Sache gut, aber ihre Performance bleibt der einzige Lichtblick im recht eintönigen Actiongetöse. Dass hier einmal eine Frau gründlich aufräumen darf, ist ein nur vermeintlich progressives Element in diesem recht reaktionären Rache-Thriller, der munter der Waffen-Pornografie frönt, Selbstjustiz propagiert und mit tendenziell rassistischen Feindbildklischees arbeitet. Mit „Me Too“ und „Time’s Up“ hat das auf jeden Fall nichts zu tun. Was die Darstellung von komplexen Heldinnen-Figuren angeht, ist man längst einen Schritt weiter. Es geht eben nicht darum, männliche Helden bloß durch weibliche Äquivalente zu ersetzen.     Martin Schwickert
USA/Hongkong 2018.
Regie: Pierre Morel; mit Jennifer Garner, John Gallagher Jr. u.a.;
Bundesstart: 29.11