My Zoe: Kopiertes Kind

Stell dir vor, deine kleine Tochter wacht eines Morgens einfach nicht mehr auf. Eine Notoperation bringt keine Besserung, die Ärzte sind ohnmächtig. Und plötzlich eröffnet sich eine Chance durch einen modernen Frankenstein und seine illegalen Methoden. Das dürfte für leidenschaftliche Diskussionen nach dem Abspann sorgen – zumal nach einem ziemlich verblüffenden Finale! Für Isabelle (Julie Delpy) ist die Tochter der Mittelpunkt ihrer Welt, erst recht, nachdem ihre Ehe mit dem erfolgreichen James in die Brüche ging. Das Paar lebt getrennt in Berlin und ist in ständigem Zank um Zoe. Die Atmosphäre ist chronisch gereizt. Der Schock ist groß, als das Kind eines Morgens einfach nicht mehr aufwacht. Koma. Not-Operation. Diagnose ungewiss. Die verzweifelte Mutter sieht nur noch eine Chance: Ein Genetik-Spezialist (Daniel Brühl) mit zweifelhaftem Ruf, der sich in Moskau niedergelassen hat, soll den Lauf des Schicksals aufhalten. „Ich kann die Toten nicht zurückbringen!“, verweigert der Arzt seine Hilfe. Dann wagt er ein Experiment, das über alle Grenzen geht. Im Unterschied zu ihren flauschig flotten Palaver-Komödie à la „Zwei Tage Paris“ im pointierten Woody-Allen-Modus, will der dramaturgische Kuchen hier zunächst nicht ganz so gut gelingen. Vieles dreht sich wiederholend im Kreis. Die klammernde Helikopter-Mutter hat man nach wenigen Minuten schon kapiert, das Auswalzen hätte es kaum gebraucht. Weniger ist mehr, hätte auch dem Rosenkrieg besser getan, dessen Gezänk kaum je ein nächstes Level erreicht. Derweil die ständigen Hiobsbotschaften der Ärzte wie aus einem Malen-nach-Zahlen-Baukasten einer Krankenhaus-Serie wirken. Gleichwohl überzeugt auf der Haben-Seite eine ziemlich rigorose Geschichte mit radikalen Fragen: Wie weit würde eine Mutter gehen? Wie will, kann, soll, muss Wissenschaft sich verhalten in Zeiten, in denen das Klonen von Schaf Dolly längst Science-Fiction von gestern ist?     Dieter Oßwald

Deutschland / Frankreich 2019;
Regie: Julie Delpy; Darsteller: Julie Delpy, Daniel Brühl, Gemma Artenton;
3 Punkte