Monsieur Claude 2: Der zweite Streich

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Vor vier Jahren landete „Monsieur Claude“ den ganz großen Comedy-Coup:

Über 12 Millionen Besucher in ihrer Heimat, gut vier Millionen Zuschauer hierzulande verbuchte die flotte Polit-Komödie. Da war die Fortsetzung des Kassenknüllers unvermeidlich. Im Unterschied zum kläglichen US-Remake von „Ziemlich beste Freunde“, kann dieses Sequel mit seiner Vorlage durchaus mithalten – zumindest in der ersten Halbzeit. Von Regisseur und Autor Philippe de Chauveron bis zu den Darstellern des multikulturellen Claude-Clans sind alle wieder mit an Bord – mit einem Christian Clavier in der Hauptrolle wären selbst Telefonbuch-Verfilmungen grandios komisch. Als gut betuchter Anwalt verkauft er diesmal seine Kanzlei, um im Ruhestand endlich eine Biografie über einen der wichtigsten Vertreter des „Pyrenäismus“ (!) zu schreiben. „Mein kleiner Balzac!“ schwärmt die Gattin. Bald aber sehen beide das Familienglück samt Enkel-Hoffnungen massiv bedroht. Die vier chronisch zerstrittenen Schwiegersöhne sind sich ausnahmsweise einig, mit ihren Familien fortan Frankreich den Rücken zu kehren, um in China, Indien, Algerien und Israel ihr Glück zu finden. Nach dem ersten Schock hat Monsieur Claude die rettende Idee, wie die Ausreisewilligen mit einem nicht ganz billigen Spektakel zum Bleiben bekehrt werden können. Nach einem bonbonbunten Vorspann zu „We are family!“-Klängen, wird das erste Pointen-Feuerwerk gezündet. Wie gewohnt stöhnt das sensible Schwiegersohn-Quartett über ständige Stereotype. Der arabische Anwalt etwa hat die ewigen Kopftuch-Klagen satt, derweil der schwarze Schauspieler nur Mini-Rollen als Krimineller bekommt. Vielerlei Vorurteile schimmern danach beim Reisebericht von Monsieur Claude und seiner Madame auf. Als selbsternannte Kosmopoliten haben sie die Heimatländer der bunten Schwiegerschar besucht. „Es war nicht alles schlecht an der Kolonisation“ , „mit den chinesischen Keimen ist nicht zu spaßen“ oder „unsere Insekten sind netter als die afrikanischen Stechmücken“ lauten die politisch nicht ganz so korrekten Befunde. Wie im Vorgänger wird auf bemühte Multi-Kulti-Predigten verzichtet, dafür das Stammtischdenken des gewöhnlichen Rassismus frech bei den Hörnern gepackt und mit wortwitzigen Dialogen offen gelegt. In der zweiten Hälfte wird die Handlung ein bisschen vertrödelt und gerät bisweilen klamottig. Gleichwohl überzeugt das gut geölte Figurenkarussell mit clever durchdachten Typen sowie dem sichtlich vergnügt aufspielendem Ensemble. Von solche Leichtigkeit können deutsche Komödien nur träumen. Der Mega-Erfolg in Frankreich mit über 5 Millionen Zuschauern in den ersten vier Wochen dürfte einen dritten Teil wohl wahrscheinlich machen.     Dieter Oßwald
F 2019;
Regie: Philippe de Chauveron; D: Christian Clavie, Ary Abittan, Medi Sadoun, Frédéric Chau, Noom Diawara, Frédérique Bel;
Start: 4.4.