Little Joe – Glück ist ein Geschäft: Gefährliche Pflanze

Bevor er im April als 007-Tüftler „Q“ im James-Bond-Spektakel auftritt, gibt Ben Wishaw für die österreichische Indie-Filmerin Jessica Hausner den schüchternen Wissenschaftler Chris, der in einem Bio-Tech-Unternehmen an der Erfindung neuartiger Pflanzen arbeitet. Kollegin Alice (Emily Beecham) ist der Gen-Coup bereits gelungen: Ihre purpurroten Blümchen mit dem titelgebenden Namen „Little Joe“ verbreiten einen betörenden Duft, der die Menschen euphorisch stimmt. Von der Glückshormon-Pflanze verspricht sich die Firma fantastische Profite, Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen wären da nur lästig. Eine ihrer genmanipulierten Pflänzchen schmuggelt Alice ins traute Heim, wo alsbald ihr Teenager-Sohn Joe merklich aufblüht. Doch wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Zunächst verhält sich der brave Hund einer Labor-Mitarbeiterin plötzlich bissig. Und auch der schüchterne Joe wird immer pampiger und aggressiv. Übernehmen die Pflänzchen heimlich die Herrschaft über die Menschen? Wie schon mit „Lourdes“ und „Amour Fou“ gibt Jessica Hausner die rigorose Autorenfilmerin der eigenwilligen Art. Die gute alte Fantasy-Mär der „Körperfresser“ variiert sie zum statischen Grusel-Kammerspiel, das durch betörend schöne Bilder verblüfft. Zum kunstvoll visuellen Konzept der Tableaus in kalten Farben gesellt sich als vibrierender Soundtrack die minimalistische Musik des japanischen Avantgardisten Teiji Ito, dessen metallischen Klänge regelmäßig Gänsehaut erzeugen. Hauptdarstellerin Emily Beecham („Hail, Caesar!“) brachte die coole Metapher auf gängigen Glückswahn in Cannes eine Palme. Ben Wishaw bescherte der Auftritt im Arthaus-Kino sichtlich Vergnügen – anders als bei 007 darf er hier auch seine Künste als schwer verliebter Verführer unter Beweis stellen.     Dieter Oßwald

Österreich 2019;
Regie: Jessica Hausner; Darsteller: Emily Beecham, Ben Whishaw, Kit Connor