Jojo Rabbit: Groteske Satire

Sie ist wieder da: Die Komödie über Hitler. Diesmal begibt sich der jüdisch-maori-stämmige Regiewunderknabe Taika Waititi („Thor: Tag der Entscheidung“) in die großen Fußstapfen von Chaplin und Lubitsch. Die berühmte Fox-Fanfare ist durch deutsches Liedgut ersetzt. Zum Vorspann tönen die Beatles germanisch mit „Komm gib mir deine Hand“. Dazu gibt es NS-Propaganda aus alten Wochenschau-Aufnahmen. Mit dieser grandios grotesken Ouvertüre im „Monty Python“-Stil beginnt die Hitler-Groteske. Waititi selbst gibt den Diktator als vertrottelten Clown, der als imaginärer Fantasie-Freund dem zehnjährigen Jojo Betzler erscheint. Der Knirps ist fanatisch begeistert vom Nationalsozialismus. Erschüttert wird das Weltbild des Mini-Nazis erst, als er im trauten Heim das jüdische Mädchen Elsa entdeckt, welches seine Mutter heimlich versteckt. Plötzlich stehen alle antisemitischen Vorurteile des Jungen auf dem Prüfstand der Realität. Darf man über Nazi-Terror lachen? Faschisten als vertrottelte Knallchargen werden der grausamen Wirklichkeit kaum gerecht. Mit einem cleveren Schachzug nimmt Waititi solchen Vorwürfen den Wind aus den Segeln, indem er seine Groteske ganz allgemein als bloße „Anti Hass-Satire“ präsentiert. Das funktioniert erstaunlich gut: Wenn Ressentiment auf Wirklichkeit trifft!  Mit den Kinderdarstellern Roman Griffin Davis (der als junger Chaplin taugen könnte) und Thomasin McKenzie (die nicht nur optisch an Anne Frank erinnert) bietet die Satire eine überzeugende Besetzung. Wer darüber staunt, dass ein Neuseeländer zum Abspann David Bowie seine „Heroes“ auf Deutsch singen lässt, wird noch mehr verwundert sein, dass eine Texttafel dazu Rilkes Stundenbuch zitiert.     Dieter Oßwald

USA 2019;
Regie: Taika Waititi; Darsteller: Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Taika Waititi, Scarlett Johansson