Green Book: Wunderbare Freundschaft

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Peter Farrelly schickt mit „Green Book“einen Wohlfühlfilm fürs liberale Amerika ins Rennen um die Oscars.

Anfang der 60er plant der angesehene schwarze Pianist Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) eine Konzerttour durch den amerikanischen Süden und sucht dafür einen Chauffeur mit handgreiflichen Fähigkeiten. Die Wahl fällt auf den Italoamerikaner Tony Vallelonga (Viggo Mortensen). Der erfahrene, zeitweilig arbeitslose Nachtclub-Rausschmeißer kommt aus dem Staunen nicht mehr raus, als er Shirleys Wohnung über der New Yorker Carnegie Hall betritt und der zukünftige Arbeitgeber die Verhandlungen von einem goldenen Thron herab führt. Widerstrebend lässt sich Tony auf den Job ein. Shirley gibt seine klassischen Klavierkonzerte in edlen Konzerthallen und noblen Hotels. Das ausnahmslos weiße Publikum in Abendgarderobe jubelt ihm zu, aber die „weiße“ Toilette darf der gefeierte Künstler nicht benutzen. Als Chauffeur taucht Tony ein in eine ihm unbekannte Welt voller rassistischer Diskriminierungen. Regisseur Peter Farrelly zieht „Green Book“ als klassisches Buddy-Movie mit zwei extrem gegensätzlichen Charakteren auf. Nicht nur die Hautfarbe trennt die beiden, sondern auch die Klassengegensätze. Shirley ist ein hoch gebildeter, wohlhabender Mann, der sich über den ordinären Sprachgebrauch seines Angestellten echauffiert. Tony ist ein bekennender Proll und Gelegenheitsrassist aus Brooklyn. Aber natürlich ist die Fahrt in den wilden Süden der Beginn einer langen tiefen Freundschaft. „Green Book“ ist ein antirassistischer Wohlfühlfilm fürs liberale Amerika, der nicht ohne romantische Verklärung zeigt, dass eine Annäherung über alle Rassen- und Klassenschranken hinweg möglich ist. Peter Farrelly („Dumm und Dümmer“) ist kein Mann von übertriebener Subtilität. Er adressiert seine versöhnliche Botschaft direkt, gut verständlich und ohne lästige Differenzierungen. Aber auch wenn Handlung und Dialoge recht vorhersehbar um die Ecke kommen, kann „Green Book“ durch seine beiden Hauptdarsteller überzeugen, die dem Drehbuch mehr Glaubwürdigkeit verleihen, als es verdient. Mortensen überzeichnet den verfressenen, italienischen Türsteher mit dem Herz am rechten Fleck auf hinreißende Weise und hebelt gerade dadurch die angespielten Klischees aus. Der fabelhafte Mahershala Ali („Moonlight“) hingegen lotet Tragik und Komik seiner Figur mit feinsinnigem Gespür aus. Damit bietet er den idealen schauspielerischen Gegenpol für eine Freundschaftskomödie, die als kalkulierter Publikumsliebling mit dem „Golden Globe“ ausgezeichnet wurde und auch bei den Oscars gute Chancen haben wird.     Martin Schwickert
USA 2018.
Regie: Peter Farrelly; mit Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Don Stark u.a.;
Bundesstart: 31.1.