#Female Pleasure: Gemeinsam stark

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Die #meToo-Debatte trat eine breite Diskussion über Sexismus und Machtmissbrauch los. Jenseits von Hollywood fällt die globale Unterdrückung von Frauen durch Religionen freilich gravierender aus. Davon erzählen stellvertretend fünf Frauen aus fünf Glaubensrichtungen. Bei der strukturellen Zweiklassen-Gesellschaft von Mann und Frau sind sich die Fundamentalisten des Islams, des Judentums oder der katholischen Kirche erschreckend ähnlich. Die Geschichten der fünf Protagonistinnen klingen erschütternd – und ermutigend zugleich: Denn diese Heldinnen wollen sich ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht kampflos nehmen lassen. „Ich begann mich dafür zu hassen, ein Mädchen zu sein“, sagt die Inderin. „Man verlernt wirklich, selber zu denken“, weiß die deutsche Klosterschülerin. „In Japan sollen Frauen nicht auffallen. Immer lächeln und sich nie beschweren“, meint eine vierte Protagonistin und eine Afrikanerin berichtet von 200 Millionen Verstümmelungen durch Beschneidungen weltweit. Es sind Horrorgeschichten des alltäglichen Lebens, die in dieser Dokumentation der Schweizerin Barbara Miller erzählt werden. Fünf Frauen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Religionen – und doch ähneln sich die Mechanismen der Unterdrückung. Eine Doku, die zum Großteil aus Talking Heads besteht, braucht nicht nur interessante Köpfe, sondern auch solche, die gut und packend ihre Geschichten erzählen können. Diese Qualitäten bietet dieses Quintett, das seiner Regisseurin Miller sichtlich vertraut. Mit der quirligen Mango-Künstlerin bieten sich bisweilen sogar unterhaltsame Momente in dieser beklemmenden Bestandsaufnahme. Zugleich ist eine Ästhetik des Widerstands spürbar, wenn diese Frauen mit Mut und Lebensfreude sich diese verkrusteten Strukturen nicht mehr gefallen lassen wollen.     Dieter Osswald
CH/D 2018.
Regie: Barbara Miller; mit Deborah Feldman, Leyla Hussein, Doris Wagner u.a.;
Bundesstart: 8.11.