Ein verborgenes Leben: Glaube gegen Staat

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Nach seinen abgehobenen esoterischen Diskursen „The Tree of Life“ (2011), „To the Wonder“ (2012) und „Knight of Cups“ wendet sich Kult-Regisseur Terrence Malick mit seinem neuen Film „Ein verborgenes Leben“ einer überraschend irdischen Themenstellung zu. „The following story is inspired by real events” ist in einer Titeleinblendung zu Beginn des Filmes zu lesen. „Story“ und „echte Begebenheiten“ sind Begriffe, die man in den vergangenen zehn Jahren mit Malicks Werk nicht unbedingt in Verbindung gebracht hat. Kurz danach sieht man Wochenschauaufnahmen von marschierenden NS-Soldaten und ihrem schnurrbärtigen Führer. Nach dieser zeitgeschichtlichen Verortung katapultiert sich der Film in die österreichischen Alpen, wo der junge Bauer Franz Jägerstätter (August Diehl) mit seiner Frau Fani (Valerie Pachner) und den drei kleinen Töchtern ein einfaches, glückliches Leben führt. In dem idyllischen Bergdorf St. Radegund scheint der Himmel zum Greifen nah, bis auch hier das erste deutsche Kriegsflugzeug durch die Wolken dringt, Männer in Wehrmachtsuniformen auftauchen und Franz für den Dienst am Vaterland eingezogen wird. Wie die anderen Dörfler ist auch Franz ein gläubiger Katholik. Nur nimmt er die Worte der Bibel ernst und weigert sich einen Treueeid auf Hitler abzulegen, in dem er den personifizierten Antichristen sieht. Franz hält an seinem Glauben fest, auch wenn seine Familie im Dorf geächtet wird, er ins Militärgefängnis kommt und schließlich als Vaterlandsverräter in Berlin hingerichtet werden soll. Über fast drei Kinostunden erzählt Malick von diesem mutigen Akt der moralischen Verweigerung, vom Glauben, vom Zweifel, von der Sturheit dieses Mannes, der sich gegen die Mühlen einer kriegerischen Weltgeschichte stemmt, von der er weiß, dass er sie nicht aufhalten wird. Die filmische Erzählung fällt überraschend linear aus, aber es sind hier vor allem die assoziative Kraft der Bilder, mitreißende Naturaufnahmen und die konzentrierte Performance von August Diehl, mit denen die Tiefen eines religiösen Gewissens eindringlich ausgelotet werden.     Martin Schwickert