Die Verlegerin: Im Dunstkreis der Macht

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Mit seinem Journalisten-Thriller „Die Verlegerin“ reist Steven Spielberg zurück ins Jahr 1971 und nimmt die Angriffe der Nixon-Administration gegen die Pressefreiheit ins Visier.

Spielberg hat das Projekt nach der Wahl Donald Trumps mit großer Eile vorangetrieben, weil er in dem Stoff eine hohe politische Aktualität sah. Im Fokus steht hier die Veröffentlichung der sogenannten Pentagon-Papers. In dem 7.000seitigen Gutachten des Verteidigungsministeriums wurden die amtlichen Lügen bezüglich des Vietnamkrieges in den zurückliegenden 23 Jahren akribisch zusammengetragen und deutlich, dass auf Regierungsseite schon lange keiner mehr an einen möglichen US-Sieg in diesem Krieg glaubte. Nach einer gerichtlichen Verfügung gegen die New York Times bekommt nun die Washington Post die Dokumente in die Hände. Das kriselnde Familienunternehmen steht kurz vor dem Börsengang und die Verlegerin Katharine Graham (Meryl Streep) muss potenzielle Anleger bei Laune halten. Die Veröffentlichung der Papiere und ein nachfolgendes Gerichtsverfahren könnten das Unternehmen in den Ruin führen – oder wie ihr Chefredakteur Bradlee (Tom Hanks) argumentiert als journalistischer Meilenstein in die Geschichte eingehen. Als Inkarnation des beseelten Nachrichten-Redakteurs, der alles für eine wichtige Story tut, legt Hanks die Journalisten-Legende Bradlee an, aber Spielberg ist schlau genug, den Blick auf die weniger stereotype weibliche Hauptfigur zu richten. Katharine Graham war als Unternehmertochter eigentlich nie für die Firmenleitung vorgesehen und hat den Job nach dem Selbstmord ihres Mannes übernommen. Sie bewegt sich in der Washingtoner High-Society, Verteidigungsminister Montgomery ist ein guter Freund der Familie und zu Kennedys Zeiten war sie oft im Weißen Haus zu Gast. Mit der Veröffentlichung der Pentagon Papiere riskiert sie nicht nur das Überleben der Firma, sondern auch ihre Stellung im Dunstkreis der Macht. Streep spielt diese Loyalitäts- und Gewissenskonflikte fein nuanciert aus und gibt Spielbergs sichtbar programmatischer Ode an den unabhängigen Journalismus das notwendige emotionale, menschliche Antlitz.      Martin Schwickert
USA 2017.
Regie: Steven Spielberg; mit Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson u.a.;
Bundesstart: 22.2.