Border: Ein feines Näschen

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Mit ihrer feinen Nase kann Tina mit einer hundertprozentigen Trefferquote jeden Schmuggler erschnüffeln. Weniger perfekt geht es bislang im Privatleben von Tina zu. Ihr Vater dämmert in einem Heim der Demenz entgegen. Der  Mitbewohner nervt mit seinen Kampfhunden. Umso größer gerät die Begeisterung für den augenscheinlich seelenverwandten Vore, mit dem Tina nicht nur eine ähnliche Narbe und die Vorliebe für Insekten teilt, sondern auch jene panische Furcht vor Gewittern. Alsbald zieht der Fremde bei der Zöllnerin ein, die Außenseiter mit gewissen Fähigkeiten kommen sich immer näher. Die Euphorie der Zöllnerin wird durch verstörende Entdeckungen jedoch bald dramatisch getrübt. Regisseur Abbasi hat sichtlich seinen Spaß daran, das Publikum mit seinen überraschenden Wendungen zu verblüffen. Der Komik folgt der Krimi folgt die Romanze folgt der Horror folgt der Thriller folgt das Drama der existentialistischen Art. Die Puzzlestücke werden sorgsam geschliffen präsentiert – wie sie zusammengehören, erschließt sich dem Zuschauer erst langsam. Die Aha- und Wow-Effekte wechseln sich kurzweilig ab. Je schärfer sich das Bild abzuzeichnen beginnt, desto unheimlicher wirkt es und führt an die titelgebenden „Grenzen“. Das Jonglieren der Story-Stücke bekommt durch die beiden exzellenten Darsteller eine zusätzliche Wucht. Vier Stunden haben Eva Melander und Eero Milonoff in der Maske verbracht, um die prostethischen Gesichtsmasken anzulegen. Während die eine mit kleinen Bewegungen von Mund und Nase für besondere Effekte sorgt, wirkt der andere mit martialischeren Gesten wie ein wildes Tier. „Ich sehe keinen Sinn im Bösen“ wird Tina einmal sagen. Wie sie das meint? Das sollte man in dieser clever konstruierten, skandinavischen Geisterbahn selbst erleben: Kuckst du noch oder gruselts dich schon?     Dieter Oßwald
Dänemark, Schweden 2018;
Regie: Ali Abbasi; Darsteller: Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson;
Start: 11.4.