Bombshell: Skandalös

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Sexismus ist Chefsache beim US-Sender Fox News. Blondinen bevorzugt, heißt das Motto des polternden Patriarchen und Senderchefs Roger Ailes (John Lithgow). Beim Publikum sorgen die attraktiven Ladies für Quote, beim bulligen Boss dienen sie zur Befriedigung seiner gockelhaften Aufreißer-Allüren. „To get ahead, you have to give a head“ habe er ihr gesagt, erinnert sich eines seiner Opfer – wer aufsteigen will, sollte sexuell gefälligst gefügig sein. Solcher Sexismus gehört zum Geschäftsmodell. Wer die übergriffigen Macho-Machtspielchen des übergewichten Egomanen verweigert, hat schnell die Kündigung auf dem Tisch. Diese Erfahrung muss auch Gretchen Carlson (Nicole Kidman) machen, deren Vertrag „wegen schlechter Quoten“ nicht verlängert wird. Doch die vermeintliche TV-Barbie probt überraschend den Aufstand gegen das TV-Imperium. Insgeheim hofft sie auf Unterstützung ihrer Kollegin Megyn Kelly (Charlize Theron). Die Starmoderatorin hat sich vor laufenden Kameras mit dem Präsidentschaftsbewerber Donald Trump angelegt. Prompt wird sie vom konservativen Sender fallen gelassen, schließlich sind Ailes und Trump ziemlich beste Freunde. Zudem sorgt der Krawall-Kandidat mit seinen Rüpel-Auftritten verlässlich für hohe Quoten. „Unsere Zuschauer lieben Trump!”, schnalzt der Senderchef mit der Zunge. Mit der Solidarität unter den Kolleginnen ist es derweil nicht sonderlich weit her. Die ehrgeizige Redakteurin Kayla Pospisil (Margot Robbie) wittert durch Trumps Twitter-Gewitter gegen die Konkurrentin lukrative Karrierechancen. Allein unter Frauen lässt sich Gretchen nicht entmutigen und klagt gegen den wohl mächtigsten Medien-Manager des Landes. Ihr Coup gelingt. Mogul Rupert Murdoch lässt seinen TV-Boss nach zwanzig Jahren überraschend fallen, der Sender muss sich offiziell entschuldigen und zahlt 2016 eine Entschädigung in Millionenhöhe – ein Meilenstein der #MeToo-Bewegung. Polit-Thriller haben in der Traumfabrik eine ausgesprochen gute Tradition, der folgt nun auch Jay Roach. Nach seinem dreifachen Comedy-Klamauk „Austin Powers“ und der nicht minder profitablen Popcorn-Komödie „Meine Braut, ihr Vater und ich“ hat sich Regisseur erfolgreich dem gesellschaftskritischen Genre zugewandt. Für „Game Change – Der Sarah-Palin-Effekt“ holte er mehrfach Golden Globes und Emmys. Sein Kommunistenhatz-Drama „Trumbo“ bekam beste Kritiken samt Oscar-Nominierung. Bei seinem Blick auf die Machtstrukturen der Medien-Maschine legt das Drama ein rasantes Tempo vor. Bei den psychologischen Innenansichten seiner Figuren hätte mehr Entwicklung und Tiefgang nicht geschadet. Gleichwohl überzeugt der Sexismus-Krimi durch seine rigorose Anklage gängiger Machtstrukturen sowie mit seinem hochkarätigen Ensemble – „Uhrwerk Orange“-Bösewicht Malcolm McDowell zum Murdoch zu machen, ist eine Klasse für sich! Auf die cineastische Abrechnung mit Kino-Mogul Harvey Weinstein kann man gespannt sein – und auf die Siegesreden beim Oscar ebenso!     Dieter Oßwald

USA 2019;
Regie: Jay Roach; Darsteller: Nicole Kidman, Charlize Theron, Margot Robbie, John Lithgow