Beach Rats: Schnelle Kicks

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Ich weiß nicht, was ich will!“, antwortet Frankie (Harris Dickinson) auf die Frage nach seinen sexuellen Vorlieben. Wieder einmal ist er heimlich auf der schwulen Dating-Seite „Brooklyn Boys“ unterwegs. Vorzugsweise klickt er die Profile von älteren Männern an. Viel Überredungskunst bedarf es nicht, bis der Teenager zu anonymen Sex-Treffen bereit ist. Im nächtlichen Park oder in billigen Motels geht es nach ein paar Joints schnell zur Sache. Ebenso schnell sind die Begegnungen danach vergessen. Mit seiner neuen Freundin Simone sieht die Sache anders aus. Beim Feuerwerk am Strand sind die beiden sich begegnet. So ganz uncool findet Frankie die neue Beziehung nicht, lässt sich bei seinen Kumpels sowie der kleinen Schwester damit doch prima angeben. Ganz harmonisch läuft das Liebesleben zwar nicht. Egal, seine Sex-Kicks kann sich der Teenager ja nach wie vor mit Klicks im schwulen Chat holen. Erst als die Gras-Vorräte zur Neige gehen, ist neues Handeln gefragt. Wird die Coming-of-Age-Geschichte gar zum Coming-out? Einiges an dramaturgischem Potenzial wird von den „Strandratten“ sicher verschenkt. Was Figurenzeichnung und Konflikte anlangt, wäre weitaus mehr herauszuholen gewesen. Umgekehrt wirkt der krebskranke Vater, die überfürsorgliche Mutter oder das altkluge Kind wie die stereotype Familienaufstellung einer Seifenoper. Für Regisseurin Eliza Hittman gilt als cineastisches Konzept vor allem die teilnehmende Beobachtung à la Gus van Sant oder Larry Clark. Fast dokumentarisch nähert sie sich ihren Akteuren mit grobkörnigen 16mm-Bildern einer nervösen Kamera. Kaum verwunderlich, dass die Idee zum Film von einem YouTube-Video stammt. Gleichwohl überlässt Hittman bei aller scheinbaren Lässigkeit nichts dem Zufall. Für die vibrierenden Bilder sorgt Hélène Louvart, die schon „Pina” für Wim Wenders fotografierte. Ähnlich unaufdringlich gelingt mit kleinen Federstrichen die Charakterstudie des nach Orientierung suchenden Helden: Sein neidischer Blick auf den ersten Freund der kleinen Schwester. Oder die Überraschung, dass man sexuelle Orientierung eindeutig an der Hand ablesen kann – ein alter Witz, aber immer wieder lustig.     Dieter Osswald
USA 2017.
Regie: Eliza Hittman; mit Harris Dickinson, Madeline Weinstein u.a.;
Bundesstart: 25.1.