Alexander McQueen: Tapferer Schneider

Film-AlexanderMcQueen1

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Das geht auch vom Arbeiterkind zum gefeierten Mode-Guru! Lee Alexander McQueen, Sohn eines schottischen Taxifahrers, avancierte in den 90er Jahren zum kreativen Tausendsassa der Fashion-Szene. Die Kehrseite des Ruhms lässt nicht auf sich warten: Drogen. Einsamkeit. Suizid mit 40. Das kleine Schwarze für Sharon Stone wird schon mal spontan per Kurier im Concorde-Flieger nach New York gebracht. Der Schneider kennt durchaus andere Zeiten. Zu Beginn der Karriere kauft er sich seine Stoffe vom Arbeitslosengeld. Bisweilen reicht eine Rolle Frischhaltefolie als Material für ein ganzes Kleid. An Anekdoten herrscht kein Mangel. Freunde, Familie und Weggefährten kommen reichlich zu Wort. Der Meister selbst plaudert gleichfalls gerne aus dem Nähkästchen. Unterteilt in fünf Kapitel, den Titeln seiner Mode-Schauen, wird der rasante Aufstieg des kreativen Rebellen bis zu dessen tragischem Ende illustriert. „Meine Shows handeln von Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Mir geht es um Aufregung und Gänsehaut“, beschreibt der Künstler seine Absichten. Mit großer Eleganz und Empathie entwickeln die Doku-Filmer Ian Bonhôte und Peter Ettedgu das facettenreiche Porträt eines außergewöhnlichen Künstlers. Sorgfältig recherchiert und mit eindrucksvollem Bildmaterial entwickelt sich eine unterhaltsame Hommage an diesen jungen Wilden. Da fallen auch schon einmal harte Worte über den Menschen, der offensichtlich niemandem vertrauen wollte. Man erfährt zugleich von den Wunden seiner Seele, vom sexuellen Missbrauch als Kind. Die Faszination für den Avantgardisten ist ungebrochen. Die Ausstellung „Savage Beauty“ sorgte 2011 für Besucherrekorde. Wie sagt das provokativ tapfere Schneiderlein so treffend: „Für mich ist das Leben ein bisschen wie die Märchen der Gebrüder Grimm.“     Dieter Osswald
GB 2018.
Regie: Ian Bonhôte und Peter Ettedgu; mit Alexander McQueen, Isabella Blow u.a.;
Bundesstart: 29.11.