15 Jahre Spezial-Club: Das Interview mit Desimo

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Vor anderthalb Dekaden startete DESiMO im Lindener Apollokino seine Spezial-Club-Reihe. Bei den berühmt-berüchtigten Mix-Shows weiß das Publikum vorher nicht, welche Künstler überhaupt auf der Bühne stehen. Enttäuschungen gab es im Lauf der vergangenen 15 Jahre dennoch praktisch keine. Zeit, einmal zurückzublicken. Interview: Sören Stegner

Spalter: Sicher kannst Du Dich noch an den ersten Spezial Club erinnern. Beschreib doch mal, wie die Tage bzw. Wochen davor so gelaufen sind.
DESiMO: Oha, das war ja jetzt nicht gerade gestern… Aber ich erinnere mich bestens an diesen irren Sog damals. Wir haben überall offene Türen eingerannt. Viele Hannoveraner fanden, dass eine lustige Show live im kuscheligen Apollokino einfach gut passt. „Genau das hat gefehlt“, haben wir immer wieder gehört. Und die Nachfrage war dann tatsächlich so groß, dass wir rund zwei Wochen vor der Premiere als Zusatzshow die „After-work“-Variante improvisiert haben. Die Komik-Kollegen wollten das gar nicht glauben: „Echt? Montags um 17.30 Uhr? Irre!“ Und seitdem gibt es in Linden immer gegen Monatsende zwei Shows an einem Montag. Ich glaube, das gibt es in keiner anderen Stadt.

Spalter: Und wie lief dann der Premieren-Abend?
DESiMO: Ganz schön aufgeregt. Ich wollte da damals richtig viel reinpacken und hatte zur Premiere acht Gäste eingeladen. Das war ein bisschen überladen, denn die Bühne war nur ein kleines improvisiertes Podest. Aber es sollte ja gleich wirklich abwechslungsreich werden: Stand-up-Comedy, Kabarett, Visual Comedy, Zauberkunst, Poetry, Musik, dazu was auf Kinoleinwand und das alles mit einer eigenen Handschrift – ohne einfach nur ein Gemischtwarenladen zu sein.

Spalter: Mit einem ganz eigenen und höchst individuellen – nennen wir es mal – Showkonzept über 15 Jahre Erfolg zu haben, ist schon ein Kunststück an sich. Wie lautet dein Erfolgsrezept?
DESiMO: Auf Dauer war es jetzt sicher der Qualitätsanspruch. Ich lade am liebsten Gäste ein, die in ihrem Genre gut sind und die ich mag, auf der Bühne und eben auch menschlich. Und wir behandeln unsere Gäste so, wie ich als Künstler bei einer Einladung auch gern behandelt werden möchte. Es ist bei uns sehr entspannt, die Fragen sind geklärt und es ist alles gut: Licht, Ton, gleich zwei Techniker, Catering, Hotel und das gesamte Umfeld.

Spalter: Und das Publikum nimmt das ebenfalls an.
DESiMO: Manchmal ist natürlich ein Act dabei, bei dem die Zuschauer sehr unterschiedlich reagieren. Aber das muss so sein, wir wollen ja auch immer wieder entdecken. Nehmen wir Carolin Kebekus: Als sie bei uns das erste Mal im Mix war, kannte sie in Hannover noch niemand. Da waren einige Zuschauer schon über ihre direkte Art – nun ja – überrascht. Und das ist auch so ein Punkt: die Überraschung. Bei uns im Mix kannst du immer wieder gute Leute entdecken, die du dir sonst vielleicht gar nicht ansehen würdest. Und weil die Zuschauer nicht wissen, wer im Club-Mix auftritt, bleibt das Konzept auch nach der langen Zeit immer noch frisch.

Spalter: Wenn Du die vergangenen 15 Jahre Revue passieren lässt – gibt es Höhepunkte, die man herausheben kann?
DESiMO: Die Gala zum Zehnjährigen im Aegi war besonders: zwei ausverkaufte Abende mit standing ovations – und mit Fernsehaufzeichnung. Die Einschaltquote war dann sogar bei 11 Prozent, das war besonders. Auch, dass wir einige Künstler in Hannover von Anfang an beim Immer-beliebter-werden begleiten konnten, ist schön. Damit meine ich zum Beispiel Sascha Grammel, Sascha Korf, Timo Wopp, Thorsten Sträter oder Sebastian Pufpaff. Wichtig war auch der Moment, in uns der ursprüngliche Sponsor weggebrochen war – und ganz schnell und unkompliziert htp als Hauptsponsor übernommen hat. Ohne deren Engagement und die Unterstützung von Herri wäre der Spezial Club nicht möglich.

Spalter: Und sonst?
DESiMO: Es gibt natürlich viele Bühnensituationen, die als Erinnerung aufblitzen. Vor allem die improvisierten Momente, die unvorhergesehen Zwischenfälle oder -rufe, die es eben nur live zu erleben gibt. Total skurril, als mal an einem Abend mitten in meiner Moderation plötzlich ein Zuschauer sehr laut dazwischenrief: „Halt, stop! Sofort aufhören!“ Ich war für einen Moment ziemlich irritiert – und dann rief er. „Du hast doch heute Geburtstag!“ Und fing an, „Happy Birthday” zu singen – und die meisten anderen Zuschauer mit!

Spalter: Gab es auch etwas, das du rückblickend anders gemacht hättest?
DESiMO: Ja, ich hätte besser immer ein Kontingent an Karten für die Abendkasse zurückhalten, so wie das „Kleine Fest“ das macht. Damit mehr Leute spontan kommen und nicht immer denken, es sei bei uns sowieso immer ausverkauft. Denn das ist es natürlich nicht. Aber den Ruf werden wir nicht los.

Spalter: Trägt der Spielort, also das Lindener Apollokino, zum Erfolg bei?
DESiMO: Absolut! Das Apollo ist einfach ein wundervoller Rahmen und die halbe Miete. Alleine schon, die ungewöhnliche Lage im Hinterhof hat was Spezielles. Und gerade für Unterhaltung mit direktem Publikumskontakt wie bei uns ist es perfekt, denn der Saal ist gemütlich und hat Charakter, auf der Bühne fühlt man sich mittendrin und ganz nebenbei sind Licht und Ton über die Jahre auch noch amtlich geworden.

Spalter: Speziell bei den Mix-Shows vertraut das Publikum Dir ja praktisch blind. Ist man vor solchen Shows besonders nervös, dass das Programm auch gut ankommt?
DESiMO: Nach wie vor: ja. Es ist sogar schlimmer geworden. Wir haben einige Stammgäste und an manchen Tagen merkst du eine besondere Erwartungshaltung: „So, ich kenne jetzt eine ganze Menge, übertrefft das heute mal.“ Generell bin ich vor dem 17.30-Uhr-Club-Mix sehr angespannt, ob die Mischung der eingeladenen Kollegen auch als Show funktioniert. Ich weiß zwar, dass ich alle einzelnen Acts in ihren unterschiedlichen Genres gut finde – aber für eine gute Show müssen dann ja auch Reihenfolge, Moderation, einfach alles stimmen.

Spalter: Nicht weit entfernt vom Apollo-Standort ist auch das TAK eine Institution. Tritt man sich bei der Programmgestaltung nicht manchmal gegenseitig auf die Füße?
DESiMO: Nein, zum Glück eher im Gegenteil. Wir reden miteinander, bewerben uns auch gegenseitig und veranstalten sogar zusammen, zum Beispiel die Premiere des neuen Programms des hannoverschen Kabarett-Duos „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ am
5. März 2018. Diese Kultur des Veranstalter-Miteinanders in Hannover ist bemerkenswert. Hier
ist der Kontakt zu den anderen Bühnen viel besser als in anderen Städten.

Spalter: Bei den beiden Jubiläumsshows scheinst Du einen Querschnitt der vergangenen
anderthalb Jahrzehnte auf die Bühne zu holen (siehe Kasten).
DESiMO: Die Idee war, zum
15. Geburtstag andere Künstler einzuladen als zum zehnten – und wieder lauter Spezial-Club-Begleiter. Das ist dieses Mal im Schwerpunkt ein schöner Mix der vergangenen fünf Jahre. Aber auch Matthias Brodowy, der seit Jahren bei unserem Publikumspreis „sPEZIALiST“ dabei ist und so regelmäßig sein Solo im Apollo spielt wie sonst niemand.

Spalter: Vielen Dank für das Gepräch!